Wenn am Freitagabend die SG Dynamo Dresden auf den SV Darmstadt 98 trifft, geht es nicht nur um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Die Partie im Rudolf-Harbig-Stadion wird zugleich zum infrastrukturellen Härtetest für die Stadt. Grund ist der parallel angekündigte Warnstreik bei der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB), der den öffentlichen Nahverkehr in weiten Teilen lahmlegen dürfte.
An Heimspieltagen ist der ÖPNV das zentrale Transportmittel für Tausende Fans. Straßenbahnen und zusätzliche Busse bringen die Besucher gebündelt und vergleichsweise reibungslos in Stadionnähe. Fällt dieses System aus, verlagert sich der Verkehr zwangsläufig auf Autos, Taxis, Carsharing und Fahrräder. Die Folge: ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen rund um Lennéplatz, Straßburger Platz und die Innenstadtachsen. Da die Parkmöglichkeiten im direkten Stadionumfeld begrenzt sind, drohen Staus, Parkplatzsuche in angrenzenden Wohngebieten und verspätete Ankünfte kurz vor dem Anpfiff.
Mit der angespannten Verkehrslage gehen auch sicherheitsrelevante Fragen einher. Eine planbare Anreise per Straßenbahn erleichtert normalerweise die Fantrennung und die Steuerung größerer Besucherströme. Ohne diese Struktur steigt der Koordinationsaufwand für Polizei und Ordner. Verzögerungen bei Einlass und Abreise sind wahrscheinlicher, insbesondere wenn sich große Menschenmengen zeitgleich rund um das Stadion bewegen.
DFL lobt Kommunikation des BVB
Bei der Stadionprojektgesellschaft gibt man sich aber entspannt. "Wir beginnen morgen mit dem üblichen Prozeder zum Aufbau vor einem Spieltag", hieß es am Mittwoch auf Anfrage von diesachsen.de. Bislang gebe es auch keinen Hinweis darauf, dass die Partie verlegt werden könnte. Hinweise für Anhänger der Schwarz-Gelben gibt es ebensowenig: "Da ist jeder Fan selbst gefragt, wie er am besten zum Stadion kommt." Von der DFL gab es am Mittwochabend die Mitteilung, dass derzeit "für kein Spiel der Bundesliga und 2. Bundesliga eine Absage aufgrund der angekündigten Streiks im ÖPNV im Raum" stehe.
Da es an allen Standorten der 1. und 2. Liga unterschiedliche Anforderungen gebe, würden auch keine pauschalen Empfehlungen ausgesprochen. Als Beispielhaft lobte die DFL jedoch die Kommunikation von Borussia Dortmund, die am Samstagabend den FC Bayern zum Topspiel erwarten und ebenfalls vom Streik im ÖPNV betroffen sind. Dynamo Dresden selbst warnte in Newsbereich seiner Webseite lediglich mit einer allgemeinen Information auf und empfahl, "die Einschränkungen bei der Anreiseplanung zu beachten und eine möglichst zeitige Anreise anzustreben". Auf eine Anfrage von diesachsen.de reagierte der Verein bis zum Mittwochabend nicht.
Dass Streiks im Nahverkehr spürbare Auswirkungen auf Großveranstaltungen haben, zeigte erst vor zwei Wochen das DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen FC Bayern München und RB Leipzig in der Allianz Arena. Dort gab es zunächst Überlegungen, die Partie zu verschieben, am Spieltag selbst führten Verkehrsüberlastungen und Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr zu Verzögerungen bei der Anreise und langen Warteschlangen. Selbst in einer infrastrukturell gut ausgebauten Metropolregion geriet das System spürbar unter Druck.
Empfehlung: Frühe Anreise, Fahrgemeinschaften bilden oder Rad nutzen
Anders als in München, wo ein Sonderbetrieb der U-Bahn ausgehandelt werden konnte, wird es in Dresden keine vergelichbare Möglichkeit geben. Auf eine enstprechende Anfrage hieß es von DVB-Sprecher Falk Lösch: "Unsere Subunternehmer werden ihre Leistungen fahren. Diese haben allerdings keine zusätzlichen Fahrer und Fahrzeuge, um in Größenordnungen zusätzliche Leistungen, Sonderverkehre oder gar den DVB-Busverkehr zu übernehmen." Er empfehle darum, Fahrgemeinschaften zu bilden oder - körperliche Fitness vorausgesetzt - das Rad zu nutzen. Und: "Die Eintrittskarte gilt verbundweit als ÖPNV-Ticket. Damit kann zumindest mit den Regionalzügen, Regionalbussen und S-Bahnen gefahren werden. Diese werden nicht bestreikt."
Für Dresden bedeutet das Spiel gegen Darmstadt somit mehr als nur ein sportliches Kräftemessen. Es ist zugleich ein Stresstest für die städtische Infrastruktur. Wie gut Stadt, Polizei und Veranstalter die zusätzlichen Herausforderungen bewältigen, dürfte sich am Freitagabend zeigen. Klar ist: Ohne funktionierenden Nahverkehr wird jedes Großereignis zur logistischen Herausforderung.