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Jetzt.

17.12.2018 von

Foto: www.pixabay.com / StockSnap

Oben links, da sitzt eine Fliege auf dem Bildschirm meines Laptops. Sie verschwindet auf der Rückseite, um kurz darauf am unteren Ende wieder aufzutauchen und sich auf der Tastatur zur anderen Seite zu schlängeln. Scheinbar fürchtet sie meine darauf herumhuschenden Finger nicht, was mich fasziniert.
Ich schließe die Augen, atme ein, schüttle die Gedanken an die Fliege ab, atme aus und kehre zurück. Jetzt. Jetzt ist die Fliege weg und ich bin ganz hier.

Meine Beobachtung ist für mich ein weiterer Beweis dafür, wie leicht es fällt, Ablenkungen zu erliegen. Denn eigentlich verfolge ich ein anderes Ziel, als mich vom waghalsigen Abenteuer einer Fliege unterhalten zu lassen. Doch irgendwann im Laufe der Zeit habe ich verlernt, mich ganz auf eine Sache, auf den Moment, zu konzentrieren, mich nicht ablenken zu lassen von den Dingen um mich herum und von meinen Gedanken. Die technischen Neuerungen unsere Zeit, die rund um die Uhr Verfügbarkeit von jedem und allem und die mediale Propaganda für ein perfektes Leben haben mir dabei geholfen.
Und ist das schlimm? Das können Sie bewerten, wie Sie wollen. Ich habe es zunächst nicht als schlimm empfunden. Doch dann häuften sich die Tage, an denen mein Wecker länger als üblich brauchte, um mich aus dem Bett zu werfen, an denen ich zwar körperlich anwesend aber geistig nicht dabei war, an denen ich abends erschöpft ins Bett fiel und mir die Fragen stellte, was genau mich so angestrengt hat? Was mir der Tag und ich dem Tag gebracht hatte? Und ob am nächsten Tag etwas anders oder sogar besser sein würde?
Mit jedem weiteren Tag, den ich so erlebte wuchs meine Unzufriedenheit, denn ich hatte keine Idee, wo ich die Antworten auf meine Fragen finde. Und hätte mir jemand gesagt, dass mir Achtsamkeit die Antwort liefert, gäbe es diese Tage noch immer, weil ich es nicht geglaubt hätte. Es hat mir aber niemand gesagt. Und so habe ich die Antwort zufällig gefunden, als ich mich, des Berufs wegen, damit beschäftigte, wie ich Mitarbeiter inspirieren kann und sie wahre Freude an ihrer Arbeit empfinden.

Was ich entdeckt habe möchte ich mit Ihnen teilen, weil es im Prinzip ganz einfach ist, auch wenn die Umsetzung nicht leicht ist. Es geht im Grunde nur darum, aufmerksam -achtsam - zu sein.
Achtsam sein, das heißt einen Moment so zu erleben, wie er ist. Das klingt selbstverständlich, doch gehören Ihre Gedanken tatsächlich immer dem gegenwärtigen Moment? Oder sind da vielleicht noch Aufgaben, die Sie unbedingt demnächst erledigen müssen, eine Bemerkung, die Ihr Kollege Ihnen gegenüber fallen ließ oder ein wichtiger Termin in der kommenden Woche, die Ihnen abwechselnd durch den Kopf schwirren?
Als ich darüber nachdachte, wurde mir bewusst, wie oft meine Gedanken tatsächlich an einem anderen Ort weilen als der Rest von mir. Im Geist habe ich Gespräche aus einer vergangenen Zeit erneut erlebt oder aus einer zukünftigen Zeit vorweggenommen. Nun, ich besitze nicht die einzigartige Fähigkeit, die Vergangenheit zu verändern oder die Zukunft vorherzusehen. Wozu also das Ganze?
Es erzeugt Unzufriedenheit oder sogar das Gefühl von Machtlosigkeit, wenn Sie eine Situation nicht verändern können, und das können Sie nun mal in der Vergangenheit und der Zukunft in keinem Fall. Das können Sie nur im Jetzt. Und damit Sie diese Möglichkeit auch nutzen können, Situationen zu gestalten, müssen Sie genau zu dieser Zeit da sein.
Wenn es Ihnen geht wie mir, dann gelingt Ihnen das aber nicht mal eben, nur weil Sie sich das jetzt wünschen. Sie haben es genau wie ich verlernt. Und Sie können es sich, genau wie ich, erneut aneignen, denn es ist Ihnen im Grunde angeboren. Doch genau das ist auch die Schwierigkeit daran. Sie müssen es aktiv lernen.

Um zu spüren, wie schwer es ist, Ihre Gedanken bei einer Sache ruhen zu lassen, lade ich Sie zu einem Experiment ein. Genau JETZT. Es dauert nur fünf Minuten.

Setzen Sie sich bequem hin. Schließen Sie Ihre Augen und bemerken Sie, dass Sie atmen. Spüren Sie einfach Ihren Atem, wie er sich an Ihrer Nasenspitze anfühlt, wie sich Ihre Schultern, Ihre Brust und vielleicht auch Ihr Bauch heben und senken. Nur das. Sie müssen Nichts weiter tun. Verändern Sie Ihren Atem nicht, fühlen Sie einfach nur, wie der Atem in Ihren Körper hinein und hinausströmt. Fünf Minuten lang.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann haben Sie bemerkt, wie Ihr Geist scheinbar ein Eigenleben führt und von einem Gedanken zum Nächsten hüpft. Vielleicht haben Sie daraufhin noch angestrengter versucht, die auftauchenden Gedanken auszuschalten, was es umso schwerer gemacht hat.
Das ist ganz normal! Mit etwas Übung wird es Ihnen jedoch gelingen, Ihre Aufmerksamkeit immer länger auf Ihren Atem zu richten.
Und warum sollten Sie das tun? Weil dann das eigentlich Wertvolle kommt. Denn Sie werden daraufhin auch im Alltag bemerken, wenn Ihre Gedanken abdriften und können sie zurück ins Jetzt holen, zu der Zeit, die Sie tatsächlich aktiv gestalten können.
Probieren Sie es einfach aus. Gönnen Sie sich fünf Minuten am Tag, dann zehn und anschließend vielleicht auch 15 Minuten. Wenn Sie dranbleiben, werden Sie merken, dass sich Ihre Tage verändern und Ihre Zufriedenheit zunimmt. Und dann lohnt sich auch der Blick auf weitere Möglichkeiten der Achtsamkeitstechnik.

Heute weiß ich am Ende eines Tages, was er mir und ich ihm gebracht habe und ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen genauso geht!
Ihre  Doreen Wolf

PS: Die Fliege kam nicht wieder. Das wird mir bewusst, als ich meinen Laptop am Ende dieses Textes zuklappe.

PPS: Für die 98 Prozent unter Ihnen, die das Fünf-Minuten-Experiment nach dem Lesen des Textes wagen wollten und es nun doch wieder vergessen haben, hier noch einmal die Anleitung:

Setzen Sie sich bequem hin. Schließen Sie Ihre Augen und bemerken Sie, dass Sie atmen. Spüren Sie einfach Ihren Atem, wie er sich an Ihrer Nasenspitze anfühlt, wie sich Ihre Schultern, Ihre Brust und vielleicht auch Ihr Bauch heben und senken. Nur das. Sie müssen Nichts weiter tun. Verändern Sie Ihren Atem nicht, fühlen Sie einfach nur, wie der Atem in Ihren Körper hinein und hinausströmt. Fünf Minuten lang.

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