Lothar Firlej (57) ist fußballbegeistert. Er trainierte mehrere Jahre die Jugend vom FT Starnberg 09 und vom TSV 1860 München. Die Kinder und Jugendlichen, die Lothar trainiert, wachsen wohlbehütet und in der Regel ohne finanzielle Sorgen. Für sie ist das Fußballtraining einfach Bestandteil eines ganz normalen Lebens mit einem Trainer, der seinen Job wirklich liebt.
Im Jahr 2010 kam sein Freund, Stefan Kammerl, auf ihn zu und fragte, ob er nicht ein paar Fußballsachen für Afrika, genauer für Kenia, sammeln könnte. Natürlich war das kein Problem und Lothar wollte das natürlich auch gern unterstützen, knüpfe jedoch eine Bedingung daran: Er wollte das Projekt in Kenia sehen. Ein Jahr später ging es dann auf eine 10-tägige Urlaubsreise.
In Juja, einem Slum bei Nairobi, angekommen bekam er einen ersten Eindruck von den Verhältnissen in Kenia. Armut, wie sie sich niemand vorstellen kann, der in Deutschland groß geworden ist und niemals wirklich Hunger leiden musste. Straßenkinder die Klebstoff schnüffeln, nicht um high zu werden, sondern um einfach das Hungergefühl zu unterdrücken und natürlich abhängig werden. Kinder, die nach Bildung lechzen, die Eltern sich die Schule aber schlichtweg nicht leisten können. Denn mit umgerechnet 110 Euro pro Schuljahr sind schon mal knapp 16 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommens weg – 700 Euro, für uns unvorstellbar. Noch viel unvorstellbarer ist, dass Kinder selbst in der Schule nicht sicher sind. „Manchmal reicht eine Verständnisfrage und der Lehrer schlägt mit einem Rohrstock zu“, sagte Lothar sichtlich berührt.
Lothar besuchte ein Waisenhaus und blickte in traurige und hoffnungsvolle Kinderaugen. Er sah Kinder, die mit ortsüblichen selbstgebastelten Bällen spielten – sogenannte Joala-Bälle. Er war geflasht und aus seinem Urlaub wurde ganz spontan ein 10-tägiger beeindruckender Arbeitsaufenthalt. Lothar wuchs selbst in einem Waisenhaus in Paderborn auf und konnte fühlen, was die Kinder brauchten. Dann ging es zurück nach München.
Zuhause angekommen gingen ihm die Kinder und seine Gefühle nicht mehr aus dem Kopf. Er stellte alles in seinem Leben in Frage und traf letztlich die Entscheidung. Er wollte seiner Heimat den Rücken kehren und den Waisenkindern auf den Straßen Kenias ein Trainer sein, denn Lothar weiß natürlich wie relevant Sport für die Entwicklung von Kindern ist.

