Der Dresdner Ökonom Joachim Ragnitz wirbt für eine ausgewogene Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. «Deutschland sollte darauf drängen, mehr Zuwanderer zu gewinnen», sagte der Vize-Direktor des Dresdner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung der Deutschen Presse-Agentur. Nach der EU-Erweiterung 2004 sei der von manchen befürchtete Andrang auf den hiesigen Arbeitsmarkt ausgeblieben. Jetzt müsse gezielt außerhalb der EU geworben werden. Dabei gelte es aber auch, die Lage in den Herkunftsländern zu beachten.
«Wenn junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte zu uns kommen, dann fehlen sie möglicherweise in ihrer Heimat», sagte Ragnitz, dessen ifo-Institut als Niederlassung des gleichnamigen Münchner Instituts vor allem die Wirtschaft der östlichen Bundesländer erforscht. «Insofern ist das ein zweischneidiges Schwert. Einfach Ausländer anzuwerben und ihren Heimatländern damit zu schaden, wäre nichts, was man gutheißen könnte.»
Der Fachkräftemangel belastet die deutsche Wirtschaft bereits jetzt und wird sich in den kommenden Jahren verstärken. In Sachsen werden im Jahr 2025 etwa 82 000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, berechnete jüngst die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig. Allein im kaufmännischen Bereich einschließlich der Dienstleistungs- und Gesundheitswirtschaft werden demnach gut 59 000 Fachkräfte fehlen.