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Fast 2000 Lehrstellen auf Ausbildungsmarkt unbesetzt

Ein Bauarbeiter mit einem Gasbrenner beim Bau eines Mehrfamilienhauses. / Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild
Ein Bauarbeiter mit einem Gasbrenner beim Bau eines Mehrfamilienhauses. / Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

In Sachsen bleiben in diesem Jahr fast 2000 Lehrstellen unbesetzt. Rund 2721 Ausbildungsplätzen standen im Oktober 762 Jugendliche gegenüber, die noch auf der Suche waren, teilte Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagentur in Sachsen, am Donnerstag in Dresden mit. Die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage sei ein Rekordwert. Immer mehr Jugendliche würden sich für eine schulische Ausbildung oder ein duales Studium entscheiden, nannte Hansen einen Grund. Mitunter würden Wohnort des Bewerbers und Ort der Ausbildung nicht übereinstimmen. Manchmal passten Angebot und Nachfrage bei bestimmten Berufen nicht zusammen, manchmal seien auch die Voraussetzungen des Bewerbers nicht ausreichend.

«Wir bleiben optimistisch und gehen davon aus, dass die Wirtschaft weiß, wie wichtig die Nachwuchsgewinnung ist», sagte Hansen. Mit Beginn der Corona-Pandemie habe der Berufswahlprozess unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. «Das ist eine Art Long Covid für Jugendliche.» Betriebe hätten keine Praktika mehr anbieten dürfen, weshalb sich viele junge Leute nicht richtig orientieren konnten. Insgesamt hatten im vergangenen Ausbildungsjahr von Oktober 2021 bis September 2022 etwa 19.200 Jugendliche mit Hilfe der Berufsberatung eine Lehrstelle gesucht. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 21.900 Ausbildungsplätze gemeldet.

Der Fachkräftebedarf betreffe inzwischen alle Branchen, sagte Andreas Sperl, Präsident der IHK Dresden und Sprecher der sächsischen IHK. «Aus vielen Branchen wird uns signalisiert, dass man künftig noch deutlich mehr Auszubildende einstellen möchte - oder besser gesagt muss - da vermehrt Altersabgänge aus den Belegschaften bevorstehen. Im Bereich der Industrie- und Handelskammern betrafen die meisten neuen Lehrverträge den Groß- und Einzelhandel, die Metalltechnik, kaufmännische Berufe, Hotels und Gaststätten sowie die Elektrotechnik.

Im Handwerk wurden die meisten Ausbildungsverträge in den Berufen Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima, Tischler sowie Maler und Lackierer abgeschlossen. Nach den Worten von Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz und Chef der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Handwerkskammern, gibt es bei den Betrieben eine nahezu hundertprozentige Übernahmegarantie für Azubis. Der Dresdner Chiphersteller Globalfoundries, bei dem die Statistik zur Ausbildung am Donnerstag vorgestellt wurde, sichert die Garantie zur Übernahme schon mit der Unterzeichnung der Lehrverträge zu. Das Unternehmen will demnächst auch wieder sein Praktika-Programm fortsetzen.

Handwerkskammer-Präsident Wagner bedauerte, dass Jugendlichen mitunter ein falsches Lebensbild propagiert werde. Er beschrieb das mit der Formel «viel verdienen, wenig arbeiten, keine Verantwortung übernehmen».

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