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Können Tiere denken und fühlen?

Können Katzen denken? Die Antworten von Menschen weltweit überraschen. pixabay congerdesign
Können Katzen denken? Die Antworten von Menschen weltweit überraschen. pixabay congerdesign

Forschende aus Leipzig befragten über 1.000 Kinder weltweit. Das Ergebnis zeigt, wie Menschen Tiere wahrnehmen und was das für den Tierschutz bedeutet.

Spürt mein Hund, wenn ich traurig bin? Plant die Katze der Nachbarin ihren nächsten Ausflug durch die Umgebung? Solche Fragen beschäftigen viele Menschen im Alltag. Forschende der Universität Leipzig und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben nun herausgefunden, wie Menschen weltweit darüber denken. Mehr als 1.000 Kinder und knapp 200 Erwachsene aus 33 Gemeinschaften in 15 Ländern nahmen an der Studie teil.
Die Wissenschaftler fragten Menschen unterschiedlichen Alters, ob Tiere ihrer Meinung nach fühlen und denken können. Die Antworten ähnelten sich stark, egal aus welchem Land oder welcher Kultur die Befragten stammten.

Die meisten glauben, dass Tiere grundsätzlich Gedanken und Gefühle haben. Doch beim Denken machen sie einen Unterschied. Menschen sind überzeugt, dass ihr eigenes Denken einzigartig ist und sich grundlegend von dem der Tiere unterscheidet. „Der Glaube an die Einzigartigkeit menschlichen Denkens entsteht früh im Leben und bleibt über die gesamte Lebensspanne stabil", erklärt Erstautorin Karri Neldner. Prof. Katja Liebal von der Universität Leipzig leitete die Studie gemeinsam mit Prof. Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Was das für Tiere bedeutet

Diese Sichtweise hat direkte Folgen für den Umgang mit Tieren. „Die den Tieren zugeschriebenen geistigen Fähigkeiten bestimmen auch ihren moralischen Status", sagt Neldner. Menschen könnten so rechtfertigen, Tiere als Nahrung, Medizin oder zur Unterhaltung zu nutzen.

Gleichzeitig bekommen manche Tierarten mehr Schutz als andere. Arten, die Menschen als empfindungsfähig oder menschenähnlich wahrnehmen, erhalten mehr Spenden und politische Unterstützung. „Das ist vor allem in Bezug auf das Artensterben und den Biodiversitätsverlust besonders problematisch", erklärt Liebal. Insekten seien stark betroffen, bekämen aber viel weniger Aufmerksamkeit als Säugetiere, obwohl diese nur einen Bruchteil der Artenvielfalt ausmachten.

Die Forschenden entdeckten noch etwas. Kinder aus Städten schreiben Tieren häufiger Gedanken und Gefühle zu als Kinder vom Land. Das könnte daran liegen, dass sie Tiere oft in Filmen oder Büchern als menschenähnlich dargestellt sehen. Kinder auf dem Land begegnen dagegen öfter Nutztieren oder gefährlichen Tieren.

Besondere Methode bringt wertvolle Daten

Das Leipziger Team wählte einen ungewöhnlichen Weg. Nicht die Wissenschaftler selbst führten die Interviews. Stattdessen befragten Menschen aus den jeweiligen Gemeinschaften ihre Nachbarn, Freunde und Verwandte. Sie wurden vorher dafür geschult. Die Gespräche wurden später übersetzt und ausgewertet. „Auch wenn der Studienverlauf sehr viel weniger kontrolliert war, als wenn wir Teilnehmende in ein Labor eingeladen hätten, sind wir davon überzeugt, dass die dadurch erhaltenen Daten viel wertvoller sind, da sie im jeweiligen kulturellen Kontext entstanden sind", sagt Liebal.

Die Arbeitsgruppe „Kinder und Natur" des Leipzig Labs wertet aktuell weitere Daten aus und bereitet neue Veröffentlichungen vor.

METIS