DieSachsen.de
User

Dresden gedenkt Bombenopfer und erinnert an Schuld

13.02.2017 von

Mit der Erinnerung an die Bomben-Opfer, aber auch an die eigene NS-Vergangenheit, hat Dresden der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) legte am Montag an einem Gedenkstein auf dem zentralen Altmarkt eine weiße Rose nieder. Dort waren nach den Luftangriffen alliierter Bomber vom 13. und 14. Februar 1945 die Leichen von knapp 7000 Todesopfern verbrannt worden.

Hilbert betonte, wie wichtig es sei, «daran zu erinnern, was der Krieg an Leid über die Menschen bringt». Zugleich verwies er auf Verbrechen der Nazi-Zeit wie Judenverfolgung, Euthanasie oder Bücherverbrennung, bei denen auch und gerade in seiner Stadt «Täter am Werke waren». «Insoweit hat die Dresdner Bevölkerung Schuld auf sich geladen», sagte Hilbert, auch wenn die «Stadt an sich weder schuldig noch unschuldig» sein könne.

Neben dem Gedenken auf dem Altmarkt fanden an mehreren Orten zeitgleich Veranstaltungen statt, etwa am Alten Leipziger Bahnhof, von wo aus die meisten Dresdner Juden zwischen 1938 und 1945 deportiert wurden.

Mit einer Kranzniederlegung im Urnenhain Tolkewitz wurde an die Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen in der NS-Zeit erinnert. Allein in der Pflegeanstalt auf dem Pirnaer Sonnenstein waren in den Jahren 1940 und 1941 unweit von Dresden etwa 13 700 von ihnen vergast worden. «Es ist wichtig, dass wir über unsere Stadt hinaussehen, um zu erkennen, was Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Unterdrückung anrichten», sagte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnichen (Grüne).

Das Gedenken steht in diesem Jahr im Zeichen der Menschlichkeit und ist in der Stadt heftig umstritten. Zwei im Vorfeld des Jahrestages installierte Kunstprojekte, die an das Leid ziviler Opfer in aktuellen Krisen erinnern, hatten für scharfe Kritik vor allem aus dem Umfeld der islam- und fremdenfeindlichen Pegida geführt.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bezeichnete die Erinnerungskultur als «Geschenk» der Demokratie. Dass die Sachsen seit so vielen Jahren in einem vereinten und friedlichen Land lebten, sei ein Privileg. «Wir tragen als Deutsche und Europäer eine besondere Verantwortung den vielen Menschen gegenüber, die heute von Krieg betroffen sind und sich nichts sehnlicher wünschen als Frieden in ihrer Heimat», sagte sie.

Wie schon am Wochenende missbrauchten auch am Jahrestag selbst Rechtsextremisten das Gedenken für ihre Ideologie. Die NPD legte einen Kranz auf dem Heidefriedhof nieder, wo viele der Bombenopfer in Massengräbern liegen. Auch der vorbestrafte Neonazi und Holocaust-Leugner Gerhard Ittner war auf dem Friedhof zugegen. Nachdem er bei einer Kundgebung am Samstag in Dresden den Holocaust indirekt erneut als «Lüge» und den Nationalsozialismus als «Modell für die ganze Welt» bezeichnet hatte, wird gegen ihn ermittelt.

Rechtsextreme nutzen den Jahrestag immer wieder für ihre Zwecke und rechnen die Opferzahlen hoch, um so «alliierte Kriegsverbrechen» zu belegen und den Holocaust zu relativieren. Einer Historikerkommission zufolge kamen bei den Bombardements in Dresden etwa 25 000 Menschen ums Leben.

Höhepunkt des Gedenkens sollte am Abend eine Menschenkette für Frieden und Versöhnung sein, mit der beide Seiten der Elbstadt verbunden werden.

Inhalt: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bilder: dpa / Arno Burgi

Mehr zum Thema: Geschichte 13. Februar Sachsen

Laden...
Laden...
Laden...