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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Beauftragter der Regierung: Jüdische Sachsen Teil der Kultur

Thomas Feist (CDU). / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Thomas Feist (CDU). / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Der 27. Januar ist in Deutschland der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 77 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist Antisemitismus auch in Sachsen präsent - aber auch Interesse an jüdischem Leben.

Die Begegnung mit jüdischem Leben in der Vergangenheit und Gegenwart auch auf emotionaler Ebene sind aus Sicht des Beauftragten der Regierung, Thomas Feist, wirksame Mittel gegen Antisemitismus in der Gesellschaft. «Unser Ansatz war, wenn wir entschieden für jüdisches Leben als Selbstverständlichkeit in Sachsen eintreten, mehr über jüdisches Leben und Symbole aufklären, engagieren sich mehr dafür», sagte er in Dresden zum Holocaust-Gedenktag. Neben der frontal angelegten Wissensvermittlung brauche es Erfahrung, eine kulturelle ganzheitliche Bildung in Verbindung mit Regionalgeschichte.

«Jüdische Sachsen sind Teil unserer Kultur, das Wachsen des Freistaates wäre ohne sie nicht möglich gewesen in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur», sagte Feist. Davon könne auch die Generation der Kinder und Enkel berichten. «Und es gibt gute Ansätze, wo sich junge Menschen mit der Tätergeschichte ihrer Familien auseinandersetzen.»

Sachsen ist laut Feist kein besonderes Problemland im Bereich Antisemitismus, aber «jeder Vorfall ist einer zu viel.» Das dürfe nicht nur an Gedenktagen Thema sein, die Gesellschaft müsse sich generell mit dem jüdischen Leben beschäftigen. Das Interesse daran sei gewachsen. «Es gibt eine positive Entwicklung pro jüdisches Leben in Sachsen.» Angesichts vieler Projekte und zusätzlicher Mittel zur Antisemitismusbekämpfung ist Feist optimistisch.

«Wir richten gerade eine Melde- und Beratungsstelle ein, denn eine ganze Reihe von Vorfällen bleiben unter dem Radar», sagte er. Viele Betroffene verzichteten jedoch auf eine Anzeige, aus Angst, dass ihre Namen und Adressen in den Akten Tätern in die Hände fallen und «es dann noch schlimmer wird», wie in ihren Herkunftsländern in Osteuropa. Angesichts «einer eklatanten Zunahme antisemitisch motivierter Straftaten» in Deutschland sieht der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen laut Mitteilung die fortlaufende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Stärkung der Erinnerungskultur als wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und zugleich Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz 1945 - die Nazis hatten dort über eine Million Menschen ermordet, vor allem Juden. Landtagspräsident Matthias Rößler und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nehmen an einer Kranzniederlegung in Großschweidnitz teil. Die frühere Heil- und Pflegeanstalt war Teil der systematischen Ausrottung von Menschen, die von Nazis als «lebensunwertes Leben» bezeichnet wurden, durch Medikamente und Mangelernährung. Auch in Markranstädt, Görlitz, Radebeul, Zwickau, Dresden, Torgau, Zittau oder Hoyerswerda sind Gedenken geplant.

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