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Volkswagen baut Hunderte Stellen in seiner E-Auto-Fabrik in Zwickau ab

Angesichts mauer Nachfrage nach Elektro-Autos droht bei Volkswagen ein Stellenabbau im Zwickauer Werk. Mehrere Hundert Mitarbeiter mit befristeten Verträgen könnten betroffen sein.

Volkswagen baut Hunderte Stellen in seiner E-Auto-Fabrik in Zwickau ab. 269 befristete Verträge, die nach einem Jahr in Kürze auslaufen, würden nicht verlängert, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung mit. Auch der Schichtbetrieb müsse voraussichtlich angepasst werden. Das konkrete Vorgehen werde in den kommenden Tagen mit dem Betriebsrat abgestimmt. Scharfe Kritik kam von der IG Metall. Für die 269 Betroffenen und ihre Familien sei dies eine Katastrophe, sagte Gewerkschaftsvertreter Thomas Knabel. Zudem gebe es viele offene Fragen zur künftigen Fahrweise und zur Personalplanung.

Als Grund für den Schritt wurde «die aktuelle Marktsituation» genannt. Angesichts der Inflation und zurückgehender Kaufprämien halten sich Kunden bei Elektroautos zurück. In Zwickau werden ausschließlich E-Autos gebaut - für VW, Audi und Cupra. Befürchtet wird, dass die Verträge weiterer befristet Beschäftigter - derzeit sind es den Angaben zufolge etwa 2200 - nicht verlängert werden. In dem Werk arbeiten insgesamt etwa 10.700 Menschen.

Keine Kurskorrektur

«Volkswagen ist vom Weg in die Elektromobilität weiterhin zu 100 Prozent überzeugt», betonte ein Sprecher. Eine Kurskorrektur sei nicht geplant. Auf der Betriebsversammlung sei klargestellt worden, dass das Zwickauer Werk nicht zur Disposition stehe und dort weiter investiert werde. Es war bisher Vorreiter der E-Mobilität im Unternehmen. Neben den Modellen ID.3, ID.4 und ID.5 werden dort auch der Q4 e-tron und der Q4 Sportback e-tron von Audi sowie der Cupra Born produziert. Der letzte Verbrenner lief 2020 vom Band.

Trotz der schleppenden Auslastung des Werks soll die Produktion des Audi Q4 e-tron und des ID.3 auf andere Standorte ausgeweitet werden. «Wir werden den Q4 e-tron ab Ende 2023 auch in Brüssel produzieren - zusätzlich zur Fertigung in Zwickau», sagte eine Audi-Sprecherin. Der ID.3 soll ab Herbst auch in Wolfsburg - zunächst nur in kleinen Stückzahlen - vom Band laufen. Die Teile für die Endmontage werden zunächst aus Sachsen geliefert. Im kommenden Jahr ist dann die Vollproduktion in Wolfsburg vorgesehen.

Ursprünglich wurden in Zwickau sechs Modelle von VW, Audi und Cupra ausschließlich dort gebaut. Auch den US-Markt bediente VW zunächst von Sachsen aus und brachte den ID.4 per Schiff nach Amerika. Das vergrößerte die damals ohnehin langen Lieferzeiten für E-Autos weiter. Inzwischen baut VW die Fahrzeuge für den US-Markt in Tennessee.

Bereits im Mai 2022 lief der ID.4 auch in Emden an. Das zweite E-Modell von Cupra, das ID.5-Schwestermodell Tavascan, vergab der Konzern nach China. Er soll noch in diesem Jahr im Werk in Anhui anlaufen. Die Standortentscheidung begründete VW damit, dass die Kapazität in Zwickau für das weitere Modell nicht ausgereicht hätte.

IG Metall kritisiert Umgang mit Mitarbeitern

Die IG Metall kritisierte den Umgang mit den befristet angestellten Mitarbeitern. Im Juni seien zwar 540 Verträge entfristet worden. Alle anderen warteten jedoch auf eine klare Perspektive. Sie alle hätten zusammen mit der Stammbelegschaft entscheidend zum Umbau des Werks beigetragen. Dass sie seit Wochen über ihre Zukunft hingehalten würden, sei ein Umgang, «den wir so bei Volkswagen bislang nicht kennen und auch nicht akzeptieren wollen», monierte Knabel. Er kritisierte auch Ministerpräsident Michael Kretschmer. Von ihm verlangte er eine aktivere Rolle in den Gesprächen über die Zukunft des Standorts Zwickau.

Trotz aktueller Schwierigkeiten sieht auch der Branchenverband Automotive Cluster Ostdeutschland keine Abkehr von der E-Mobilität. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass dieser Wandel ein steiniger Weg werde, sagte Geschäftsführer Jens Katzek der Deutschen Presse-Agentur. «Die Elektromobilität hat eine klare Priorität für die Zukunft. Daran ändert sich nichts.» Doch müsse dieser Weg von Politik und Unternehmen gemeinsam gegangen werden. Er beklagte eine Verunsicherung der Verbraucher durch politische Entscheidungen. Als Beispiel nannte er bürokratische Hürden bei der Förderung von E-Autos. Wichtig sei zudem der Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Deutliche Kritik aus der Politik gab es auch am VW-Management. Die Verantwortlichen müssten ihre Arbeit kritisch beleuchten, mahnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Carlos Kasper. «Denn wir sehen auch: Bei anderen Elektroauto-Herstellern in Deutschland läuft es besser.» Gründe für die Absatzprobleme sieht der FDP-Abgeordnete Torsten Herbst in der Modellpolitik: «Anders als beispielsweise BMW setzt Volkswagen bei den Antrieben ausschließlich auf batterieelektrische Fahrzeuge und macht sich damit allein von der Nachfrage nach E-Autos abhängig.» Offensichtlich seien nicht alle neuen E-Autos von VW so attraktiv, dass sie in Deutschland und Europa stark nachgefragt würden.

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