Schon der Auftakt ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Abend mehr sein wollte als ein formeller Pflichttermin: Mit einem anlässlich des Tages der Sachsen in Kamenz 2011 komponierten Musikvideo zu den Klängen der Puhdys-Hymne „Auf nach Kamenz“ wurden die Gäste auf eine Reise durch die Höhepunkte des 800-jährigen Stadtjubiläums mitgenommen. Bilder voller Leben, Begegnungen und Stolz flimmerten über die Leinwand – ein emotionaler Einstieg in einen besonderen Neujahrsempfang.
Oberbürgermeister Michael Preuß zeigte sich sichtlich bewegt. Vor einem voll besetzten Ratssaal begrüßte er unter anderem Landrat Udo Witschas, die Bundestagsabgeordnete Kathrin Michel, die Landtagsabgeordnete Elaine Jentsch sowie Vertreter aus Stadtrat, Wirtschaft, Feuerwehren, THW und Verwaltung. Seine Worte waren geprägt von Dankbarkeit – für Unterstützung, für Engagement und für den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten.
Besonders hob Preuß zwei Kamenzer Persönlichkeiten hervor: Olaf Böttcher, der sich über Jahre um die Rathausuhr kümmerte, sowie Dietmar Engelbrecht, der mit historischen Bildvergleichen in sozialen Medien immer wieder Debatten über das Selbstverständnis der Stadt anstößt. Kleine Gesten mit großer Wirkung.
Musikalisch setzte Koloratursopranistin Jennifer Riedel, begleitet von Andreas Kühn am Flügel, glanzvolle Akzente. Mit Arien aus bekannten Operetten verzauberte sie das Publikum und sorgte für langanhaltenden Applaus – Kultur als verbindendes Element des Abends.
Eine Rede mit klarer Botschaft
Im Zentrum stand die erste Neujahrsrede von Michael Preuß, die er unter das Leitmotiv „Mit Erfahrung vorangehen“ stellte. Rückblick und Ausblick verband er mit einer klaren Haltung: nicht jammern, sondern handeln. „Tun statt vernünfteln“, wie er es selbst formulierte. Das halbvolle Glas müsse man als halb voll begreifen – eine Haltung, die sich durch den gesamten Abend zog.
Preuß benannte sechs zentrale Vorhaben für die Stadtentwicklung: die Weiterführung der Sanierung des Lessing-Museums, die Umgestaltung des Jahnsportplatzes, den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Wiesa, einen Ersatzneubau für die Kita „Kunterbunt“ in Kamenz-Ost, das Projekt „Hallenbad mit Außenschwimmbecken“ sowie eine langfristige Lösung für das Stadtarchiv.
Dabei betonte er immer wieder die Bedeutung einer „aufgeschlossenen Öffentlichkeit“ und rief zu Respekt, Gelassenheit und gegenseitigem Verständnis auf. Sein Schlusswort klang fast wie ein moderner Bürgerschwur: Man solle gemeinsam „der Stadt Bestes suchen“. Der langanhaltende Beifall zeigte, dass diese Worte ankamen.
Landrat Udo Witschas schloss sich mit einem Grußwort an und rief die Kamenzerinnen und Kamenzer zur Zuversicht auf. Er verwies auf Erfolge des Landkreises und unterstrich die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit.
Ehrenamt im Mittelpunkt
Ein emotionaler Höhepunkt des Abends war die Verleihung der „Ehrenmedaille der Stadt Kamenz“. Gemeinsam mit Blütenkönigin Lucie I. und Sparkassenvertreterin Birgit Lohde zeichnete der Oberbürgermeister 20 engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. Die Ehrung unterstrich, wie sehr das Ehrenamt das Rückgrat des gesellschaftlichen Lebens bildet.
Für Standing Ovations sorgte schließlich Oberbürgermeister a. D. Roland Dantz. In ungewohnter Rolle trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein und erinnerte mit bewegenden Worten an 37 Jahre Dienst für Kamenz. „In einer kleinen Stadt muss man groß denken“, schrieb er – ein Satz, der den Geist des Abends auf den Punkt brachte.
Geselligkeit mit Glockenbier und Glasblume
Nach rund zweieinhalb Stunden Programm wurde der offizielle Teil in geselliger Atmosphäre fortgesetzt. Die Gaststätte „Zur Eisenbahn“ aus Wiesa sorgte für ein reichhaltiges Buffet, während die „Jungs“ von der Kamenzer Braukunst erstmals ihr Glockenbier ausschenkten. Wein aus der Partnerstadt Alzey, Mineralwasser aus Oppach und viele Gespräche füllten das Rathaus mit Leben.
Eine kleine, aber feine Neuerung: Blütenkönigin Lucie I. überreichte dem Landrat und den Musikern Glasblumen als Erinnerung an diesen besonderen Abend – ein Symbol für Wertschätzung und Verbundenheit.
Am Ende blieb der Eindruck eines Neujahrsempfangs, der weit mehr war als ein formeller Jahresauftakt: ein Abend der Zuversicht, des Dankes und der gemeinsamen Verantwortung. Kamenz geht mit Erfahrung voran – und mit einem klaren Blick nach vorn.