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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Nachwuchs bei hochbedrohter Primaten-Art im Tierpark Chemnitz

Sandra Baumann
Sandra Baumann

Anfang April gab es eine freudige Überraschung im Krallenaffenhaus des Chemnitzer Tierparks. Das seit Anfang 2020 zusammenlebende Zuchtpärchen bei den Lisztaffen hat zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen. Am 09. April entdeckten die Tierpfleger:innen ein einzelnes Jungtier auf dem Rücken von Vater „Charles“.

Wie bei Krallenaffen üblich - systematisch werden Lisztaffen dieser Primaten-Familie zugeordnet - trägt auch hier der Vater die meiste Zeit das Jungtier. Die Mitarbeit der anderen Famili-enmitglieder bei der Aufzucht der Jungtiere ist eine Besonderheit von Krallenaffen. Zum einen erhöhen sich so die Chancen für den Nachwuchs zu überleben. Des Weiteren können die älte-ren Geschwister, die oft noch einige Zeit in der Familiengruppe bleiben, Erfahrungen in der Jungenaufzucht sammeln. Letztlich wird natürlich auch das Weibchen entlastet, da die Jungtiere der Mutter nur zum Säugen übergeben werden.

Lisztaffen gehören zu den am stärksten bedrohten Primaten der Welt. Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten der IUCN und werden als vom Aussterben bedroht eingestuft – der stärksten von drei Gefährdungskategorien. Der Bestand der ausschließlich in Kolumbien beheimateten Art ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang in der Gesamtpopulation ist wie so oft die fortschreitende Zerstörung des Lebensraumes.

Umso wichtiger ist das erfolgreiche und koordinierte Nachzüchten von bedrohten Tierarten wie den Lisztaffen. Im Tierpark Chemnitz wird diese Art schon viele Jahre erfolgreich gehalten und gezüchtet.
Mit ihrem auffälligen Erscheinungsbild sind Lisztaffen eine sehr attraktive Art, die sich bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in ihrer Heimat eignet. Denn auch die Aufklärung der Bevölkerung gehört zu den wichtigen Aufgaben zoologischer Einrichtungen.

Ihren deutschen Trivialnamen verdanken die Lisztaffen übrigens ihrer Ähnlichkeit - bezogen auf die Haarpracht – zu dem ungarischen Komponisten Franz Liszt. Im Englischen werden sie derweil als „Cotton-head“, also als „Baumwollkopf“ bezeichnet.

Obwohl das Krallenaffenhaus zur Zeit für Besucher:innen nicht zugänglich ist, sind die Tiere häufig – vor allem bei guten Wetter - auf der Außenanlage zu sehen.