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Spitzengastronomie in Sachsen: Acht Sterne, acht Handschriften

Sterneköche
Ausgezeichnete Spitzenköche aus Dresden, Leipzig und Aue (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Acht Sterne-Restaurants prägen Sachsens Spitzengastronomie 2026 – von Leipzig über Dresden bis ins Erzgebirge. Die Küchenchefs setzen auf Kreativität, Regionalität und handwerkliche Präzision.

Sachsens Sterneküche ist 2026 so vielfältig wie die Landschaft, in der sie entsteht. Acht Restaurants im Freistaat tragen einen Michelin-Stern – von Leipzig und Dresden über Radebeul bis ins Erzgebirge. Hinter den ausgezeichneten Küchen stehen acht Köchinnen und Köche mit unterschiedlichen Vorstellungen davon, was zeitgemäße Spitzenküche ausmacht. Bei einem Treffen in der Königlichen Hofküche von Schloss Pillnitz hat die sächsische Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch sie jetzt für ihre Arbeit gewürdigt (es konnten nicht alle kommen – daher sind niocht alle auf dem Bild). 

Sterneküche in Leipzig

Einen gemeinsamen Stil gibt es nicht. Lisa Angermann und Andreas Reinke stehen im Leipziger FRIEDA für eine moderne, kreative und stark produktorientierte Küche. Im Mittelpunkt stehen hochwertige Zutaten und eine eigene kulinarische Handschrift. Ebenfalls in Leipzig arbeitet Detlef Schlegel im Stadtpfeiffer im Gewandhaus. Seine Küche verbindet klassische französische Einflüsse mit modernen Ideen und setzt dabei auf präzises Handwerk.

Im Kuultivo verfolgt Klaus Schunack einen anderen Weg. Saisonale Produkte und kreative Zubereitungen bilden die Grundlage seiner zeitgemäßen Küche. Gemeinsam ist den Leipziger Häusern vor allem der Anspruch, Produkte nicht lediglich zu verarbeiten, sondern ihnen eine eigene kulinarische Idee gegenüberzustellen.

Sterneküche in Dresden

Dresden ist mit drei Michelin-Sternen vertreten. Martin Walther steht im Heiderand für eine moderne Küche, bei der hochwertige Produkte und handwerkliche Präzision im Vordergrund stehen. Im elements verbindet Stephan Mießner unterschiedliche internationale Einflüsse und Aromen. Seine Küche lebt von der Kombination verschiedener kulinarischer Traditionen.

Marcus Blonkowski setzt im Genuss-Atelier auf eine kreative, saisonale Küche und auf regionale Produkte. Entscheidend ist für ihn deren sorgfältige Verarbeitung. Damit gehört das Restaurant zu den Häusern, die Regionalität nicht als Rückgriff auf Tradition verstehen, sondern als Ausgangspunkt für eine moderne Küche.

Sterneköche in Radebeul und Aue

Zwei weitere Sterne leuchten außerhalb der großen Städte. In Radebeul arbeitet Joe Andrich im Atelier Sanssouci mit hohem handwerklichem Anspruch und moderner Ausrichtung. Das gastronomische Konzept wurde 2026 erweitert: Neben der bisherigen Küche gibt es ein flexibleres Bistronomie-Angebot mit À-la-carte-Gerichten.

Im Restaurant St. Andreas in Aue-Bad Schlema verbindet Benjamin Unger regionale Produkte mit erzgebirgischen Traditionen und einer zeitgemäßen Interpretation. Damit zeigt sich besonders deutlich, dass Spitzenküche nicht zwangsläufig internationale Orientierung bedeutet. Auch regionale Identität kann Ausgangspunkt für eine ambitionierte Küche sein.

Formal wird der Michelin-Stern übrigens dem Restaurant verliehen und nicht dem einzelnen Koch. Aber die Küchenchefs/Küchenchefinnen prägen entscheidend die kulinarische Identität ihrer Häuser. Ihre Namen stehen damit auch für die Entwicklung der sächsischen Spitzengastronomie.

Tourismusministerin Barbara Klepsch sieht in den ausgezeichneten Häusern einen wichtigen Bestandteil der kulinarischen Identität des Freistaates. Mit der Initiative „So schmeckt Sachsen“ soll die Gastronomie stärker mit dem Tourismus verbunden und ihre ganze Bandbreite sichtbar gemacht werden. Dazu gehört ausdrücklich nicht nur die Sterneküche, sondern ebenso der traditionelle Gasthof, regionale Spezialitäten und Restaurants, die überlieferte Rezepte mit neuen Ideen verbinden.

Für Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Sachsen, haben die Sterneköche darüber hinaus eine Vorbildfunktion für den Nachwuchs. Spitzenküche beginne mit Ausbildung und Neugier und entwickle sich über handwerkliches Können, Leidenschaft und Ausdauer. Sachsen wolle deshalb zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten die Gastronomie bietet – vom Minikoch bis zum Sternekoch.

Auch die Geschichte der Kochkunst gehört dabei zum Blick auf die Gegenwart. Das Deutsche Archiv der Kulinarik, getragen von SLUB Dresden und TU Dresden, sammelt Menükarten, Kochbücher und kulinarische Handschriften und dokumentiert damit die Entwicklung der Esskultur. Die heutige Spitzengastronomie wird dort ebenfalls Teil dieser kulinarischen Überlieferung (sofern die Köche brav ihre Menükarten dort abliefern…).