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Die Energie zum Gründen speist sich aus Fleiß und Leidenschaft

20.03.2017 von

Timo Leukefeld ist Experte für energetisches Wohnen in der Zukunft. Seit 2011 hält er eine Honorarprofessur am Lehrstuhl Solarthermie an der Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Glauchau. Professor Leukefeld war Gründer, hatte wirtschaftliche Erfolge, ging in die Insolvenz und gründete wieder. Seine Erfahrungen werden zum immateriellen Gründungskapital für alle, die es auch versuchen, mit ihrer Geschäftsidee an den Markt zu gehen.

Alles, was Sie beruflich tun, hat mit erneuerbaren Energien, modernen Technologien und dem Bewahren der Natur zu tun. Ist das ein gutes Feld für Gründer?

Prof. Timo Leukefeld: Wenn die Idee des Start-ups ein Problem der Menschen löst, ist es eine gute und wahrscheinlich erfolgreiche Idee. Die Energiewirtschaft an sich hat nach meiner Auffassung gegenwärtig kein Zukunftskonzept. Der Trend geht vom „Stoffverkauf“ zur Dienstleistung. Die Öl-, Gas – und Kohlevorräte reichen schon noch länger. Doch die Folgen ihres Abbaus und ihrer Verbrennung sind dramatisch. Wir sollten erneuerbare Energien ausbauen und die Vorräte für andere Industriezweige als Rohstoffe aufheben. Baustoffe oder chemische Verbindungen brauchen fossile Rohstoffe. Sie können zurzeit nicht ohne sie hergestellt werden. Mit Sonnenenergie kann man keine Straße teeren aber Häuser heizen. Solarstrom wird im Jahre 2030 etwa noch einen Cent pro Kilowattstunde kosten. Wenn sich Gründer auf diesem Gebiet tummeln, brauchen sie eine extrem pfiffige Idee, die uns hilft, die Probleme der Energiewende zu lösen.

Welche Rolle spielt die Förderpolitik für Start-ups? 

Prof. Timo Leukefeld: Eine sehr große Rolle, weil sie polarisiert. Vor Jahren wurde in Sachsen die Fotovoltaik „überfördert“. Eine Kilowattstunde Solarstrom wurde im Vergleich zur Solarwärme bis zu 15-mal mehr gefördert. Und für Solarwärme wurden 2010 die Fördergelder ohne große Vorbereitung für alle Betroffenen nahezu über Nacht einfach gestrichen. Mit der vagen Ankündigung, der Fördertopf würde bald wieder aufgemacht werden, hielten sich viele Bauherren zurück. Die Fördertöpfe blieben leer, meine Firma ging in die Insolvenz. 40 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Nach meiner Meinung lief diese Förderung über einen zu langen Zeitraum auf einem viel zu hohen Niveau. Am Ende ging es ja nicht mehr um innovative Ideen, sondern nur ums schnelle Geldverdienen. Besser wäre, die Förderpolitik so zu gestalten, dass der Anschub unterstützt wird und danach die Gelder systematisch mit Ansage wieder reduziert werden.

Woran erkenne ich als Gründer, ob meine Idee gut ist und eine Zukunft hat?

Prof. Timo Leukefeld: Die größten Erfolgsaussichten haben Ideen, die ein Problem lösen. In erster Linie geht es gar nicht um ein neues Geschäftsmodell. Es geht darum, Probleme zu reduzieren, denn dafür geben die potentiellen Kunden auch ihr Geld aus. Endlich wird mein Leben einfacher. Gründer müssen in jedem Fall den Markt studieren. Ich frage immer nach einer gründlichen Analyse und nach Marktkenntnissen. Gründer brauchen weiterhin zwei ganz wesentliche Eigenschaften: Fleiß und Leidenschaft. Fakt ist auch, dass ein Gründer alleine nicht alles leisten kann. Erfinder können selten verkaufen. Verkäufer selten etwas erfinden und betriebswirtschaftlich muss die Rechnung auch aufgehen. Dass die Begeisterung für alle drei Bereich gleich stark bei einem Gründer ausgeprägt ist, geht in den Promille-Bereich. Teamarbeit ist angesagt. Und die Tugend des Aushaltens ist existenziell. In den ersten drei Jahren isst der Gründer Knäckebrot. Wenn es im vierten Jahr zum Aufstrich reicht, ist alles gut. Dann kommen auch bald Apfelsinen und Birnen hinzu. Wenn nicht, würde ich die Idee aufgeben.

Im amerikanischen Modell läuft das ein bisschen anders als in Deutschland. Während die einen die Upgrade-Kultur pflegen, verzweifeln die Deutschen am Perfektionismus. Wir trauen uns erst auf den Markt, wenn schon 120 Prozent entwickelt sind. Was ist besser?

Prof. Timo Leukefeld: In Amerika ist das Scheitern leichter. In Deutschland wird man nahezu kriminalisiert. Kreditlinien werden sofort gekappt. Die gesellschaftliche Ausgrenzung droht. Das Risiko will keiner mittragen. So kommt es, dass nicht jede gute Idee zum Tragen kommt. Die SAB fördert junge Unternehmer für ein Jahr. Besser wären zwei Jahre mit systematischer Reduzierung. Ich finde alle Formate gut, die Gründern zeigen, du kannst scheitern und wieder aufstehen. Die Fuck up night kenne ich selber nicht. Doch solch ein Konzept geht in die richtige Richtung. Fakt ist auch, dass man in der digitalen Welt sehr schnell gefressen wird. Die Konkurrenz ist enorm. Für mich sind die besten Geschäftsideen zweigeteilt: analog und digital. Der analoge Teil hilft beim Erden und hält den Kontakt zu den Kunden. Der digitale Teil dient der Effizienzsteigerung.

In unserem Freiberger Institut für vernetzte energieautarke Gebäude ist es auch so. Wir wachsen langsam und bringen die analoge und die digitale Komponente zusammen.

Wie viel Geduld braucht ein Gründer?

Ein Gründer braucht sehr viel Geduld und er muss von seiner Idee begeistert sein. Es ist nicht normal, dass nach einem Jahr die Millionen fließen. Doch diese Berichte verzerren das Bild. Von den langsam wachsenden Unternehmen erfährt man erst spät. Was schnell wächst, ist selten gut und von Bestand. Und bevor man sich den Kreditlinien unterwirft, hilft vielleicht auch die Familie mit Startkapital. Im Crowdfunding muss man extrem stark im Marketing sein. Und schon sind wir wieder bei den drei Pfeilern, auf denen ein Unternehmen gründet:
BWL + Erfindergeist + Marketing = Problemlösungsstart up.



Foto: Stefan Mays

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