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RB Leipzig will Auf- und Ab-Jahr versöhnlich beenden

Trainer Domenico Tedesco von Leipzig kommt vor Spielbeginn zum Interview. / Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild
Trainer Domenico Tedesco von Leipzig kommt vor Spielbeginn zum Interview. / Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild

RB Leipzig kann das ereignisreiche Jahr 2021 versöhnlich beenden. Nach der größten Transferoffensive im Sommer, dem zweiten Trainerwechsel in nur sechs Monaten sowie der schlechtesten Bundesliga-Bilanz zählt nun nur eine Tendenz: nach oben.

Selbst ein möglicher Kantersieg gegen Arminia Bielefeld kann die schlechteste Hinrunden-Bilanz von RB Leipzig in der Bundesliga-Geschichte nicht aufpolieren. Das Team von Neu-Trainer Domenico Tedesco peilt nach den Auf und Ab im Jahr 2021 wenigstens einen versöhnlichen Abschluss an diesem Samstag (15.30/Sky) gegen den Tabellen-Vorletzten an, um mit etwas Gelassenheit unter dem Weihnachtsbaum sitzen zu können. Denn selbst Tedesco konnte die klägliche Auswärtsbilanz mit null Siegen zuletzt beim 1:1 in Augsburg nicht aufbessern.

Es stehe ihm nicht zu, die fehlende Konstanz im Saisonverlauf zu kritisieren, sagte Tedesco am Donnerstag. Seit er in Leipzig ist, habe die Mannschaft zwei gute Spiele mit drei guten Halbzeiten gezeigt. An der Chancenverwertung werde man in der knappen Rückrundenvorbereitung ab 2. Januar ebenso arbeiten wie an der Defensivleistung. Man benötige, wenn vorn kein entscheidendes Tor fallen will, den Willen, den Vorsprung zu Ende zu verteidigen und leiden zu können, forderte Tedesco.

Einen weiteren Rückschlag kann sich der Vizemeister nicht leisten. Mit nur 22 Zählern nach 16 Spielen - die schwächste Bundesligabilanz der Vereinsgeschichte - beträgt der Abstand auf die Champions-League-Plätze als Neunter fünf Zähler. In der Vorsaison hatte RB zu diesem Zeitpunkt als Tabellenzweiter zehn Punkte mehr. Auch 20 Gegentreffer der einst besten Abwehr der Liga sind mager. «Es ist für uns als Team und für die Fans wichtig, dass wir das Jahr ordentlich abschließen», meinte Willi Orban, der um Stabilität bemüht ist.

Der Musterprofi, der einst hinter Dayot Upamecano (FC Bayern) und Ibrahima Konaté (FC Liverpool) oft nur zweite Wahl war, steht als Gesetzter sinnbildlich für den qualitativen Aderlass der RB-Defensive nach dem Ausverkauf im Sommer. Auch wenn die Neuzugänge Josko Gvardiol und Mohamed Simakan unbestritten ein Zugewinn sind, Stabilität kann man in den jungen Jahren kaum erwarten. Dazu kamen die Verletzungsausfälle der deutschen Nationalspieler Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg - das konnte auch Ex-Nationalspieler Benjamin Henrichs in keiner Phase ausgleichen.

Nächste Baustelle bleibt der Angriff, für den immer noch kein echter Nachfolger für Timo Werner gefunden hat. Dass ausgerechnet der verletzte RB-Rekordspieler Yussuf Poulsen als Hoffnungsträger für die Rückrunde gilt, spricht nach den Fehleinkäufen von Alexander Sörloth und Hee-Chan Hwang (beide ausgeliehen) nicht gerade für die Neuzugänge André Silva und Brian Brobbey. Zwar geht die Tendenz beim Portugiesen, der in der Vorsaison 28 Treffer für Eintracht Frankfurt erzielte, klar nach oben. Doch nur fünf Bundesligatore (davon ein Elfmeter) in 16 Spielen sind nicht sein Anspruch.

So bleibt eine dünne Bilanz vor der Weihnachtspause. Nach der Vizemeisterschaft wurde die Massen-Abwanderung zum FC Bayern mit Trainer Julian Nagelsmann dank Ablöse von 25 Millionen Euro zugelassen. «Ich werde jetzt keinen T6 mieten, um weitere Spieler mitzunehmen», meinte Nagelsmann beim Servus aus Leipzig. Wenige Wochen später brauchte er den Kleinbus doch. Neben RB-Kapitän Marcel Sabitzer wanderten auch drei Co-Trainer und Psychologe Maximilian Pelka an die Säbener Straße.

Das stieß bitter beim sympathischen US-Coach Jesse Marsch auf. «Es war sehr schade, als Max im Sommer gegangen ist. Er hat gesagt, es ist ein privater Grund und dass er Zeit mit der Familie braucht. Und drei Wochen später ist er bei Bayern München», kritisierte Marsch, der nach der unbesetzten Stelle des Sportdirektors nach dem Weggang von Markus Krösche sprichwörtlich auf einsamen Posten stand.

Die sportliche Quittung folgte prompt. Nachdem allein zehn Spieler bei der EM aufliefen sowie Dani Olmo (nun verletzt) und Henrichs bei Olympia in Tokio waren, hatte Marsch kaum Zeit der Vorbereitung mit dem gesamten Team. Kein Wunder, dass ausgerechnet der am Cottaweg gebliebene Christopher Nkunku, der immer noch auf die Einladung von Didier Deschamps für die Les Bleus wartet, der momentan überragende Spieler bei RB ist.

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