Mehr als 20 Jahre liegen die Übergriffe eines Kantors auf Mädchen in Pobershau zurück, doch die Taten wühlen noch immer auf. Auch weil die Betroffenen lange mit dem Erlebten allein fertig werden mussten, die Taten kleingeredet wurden. Eineinhalb Jahre haben nun Experten das ganze Ausmaß aufgearbeitet - und listen in ihrem Abschlussbericht detailliert auf, was die Taten begünstigt hat. Zudem bescheinigen sie der evangelischen Landeskirche erhebliche Defizite beim Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt. Die hat reagiert. «Anhand von Pobershau haben wir sehr viel gelernt: Was man tut und was man besser lässt», räumt Landesbischof Tobias Bilz ein.
Aus Rücksicht auf die Betroffenen verzichten die Fachleute in ihrem Bericht auf eine Auflistung aller Details der Übergriffe, lassen aber keinen Zweifel: Es ging um strafbare Handlungen. Davon, dass der ehrenamtliche Kirchenmusiker den Mädchen die Hand auf Brust, Hintern und Oberschenkel gelegt und sie gestreichelt habe, ist die Rede. Auch habe er ihnen Anzügliches ins Ohr geflüstert. Im Kern ging es um einen Zeitraum von etwa zwei Jahren Ende der 1990er Jahre. «Wir haben es hier wesentlich mit sexuellem Missbrauch von Kindern zu tun», stellt Rechtsanwalt Jörn Zimmermann, Mitglied der unabhängigen Aufarbeitungskommission, fest.