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Thomas Schmidt: Stadt und Umland gehören zusammen

Thomas Schmidt (CDU), Minister für Strukturentwicklung. / Foto: Kristin Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivibild
Thomas Schmidt (CDU), Minister für Strukturentwicklung. / Foto: Kristin Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivibild

CDU-Politiker Thomas Schmidt hat schon als Umwelt- und Agrarminister gewarnt, den ländlichen Raum abzuschreiben. Auch als Ressortchef für Regionalentwicklung lobt er die Provinz vor allem für ihr Potenzial.

Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt sieht den ländlichen Raum oft zu Unrecht in ein falsches Licht gerückt. «Die Situation wird negativer dargestellt, als sie ist», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich gebe es hier auch Probleme. Die Verkehrsanbindung etwa müsse verbessert werden, auch die Versorgung in einigen Bereichen wie etwa im Gesundheitswesen.

«Auf der anderen Seite bieten der ländliche Raum und das Leben auf dem Lande große Möglichkeiten, die man in den großen Ballungszentren gar nicht mehr hat», sagte der Minister. Auf dem Lande gebe es noch Gewerbeflächen zu günstigen Preisen. «Man kann dort auch preiswerter wohnen. Wir sprechen viel zu wenig über die Lebensqualität, die es dort gibt. Auch Schulen und Kitas sind hier im Schnitt in einem besseren Zustand als in den Städten.»

«Man darf sich aber keinen Illusionen hingeben. Ich habe in meinem Wahlkreis einen Ort mit etwa 1600 Einwohnern und 24 Ortsteilen. Da wird auch künftig nicht in jedem Ortsteil ein Arzt praktizieren und jede Stunde ein Bus dorthin fahren», stellte Schmidt klar. Das sei den Bewohnern bewusst. Individuelle Mobilität werde auf dem Land immer eine größere Rolle spielen. Deshalb müsse man sich vor allem um die Knotenpunkte kümmern, etwa um Möglichkeiten von Park und Ride.

Ohnehin rücke die Bedeutung von Stadt-Umland-Beziehungen stärker in den Fokus. Früher habe man das oft häufig als Gegensatz empfunden. «Jetzt gibt es mehr die Einsicht, dass beides zusammengehört.» Stadt und Umland müssten miteinander kooperieren statt konkurrieren. Es gehe nun darum, Anforderungen wie ausreichend Flächen für Gewerbe und Wohnen, den öffentlichen Nahverkehr, den Erhalt von Einzelhandel oder Kulturangeboten unter einen Hut zu bringen.

Laut Schmidt können die verschiedenen ländlichen Regionen Sachsens nicht pauschal betrachtet werden. Die Situation im Vogtland und der Oberlausitz etwa seien sehr unterschiedlich. «Deshalb haben wir bei den Programmen zur Entwicklung des ländlichen Raumes darauf geachtet, dass die Entscheidungen zur Verwendung der Mittel vor Ort getroffen werden. Dort weiß man am besten, was gefördert werden soll.»

Es sei erfreulich, dass viele Regionen noch immer einen Zuzug verzeichnen, sagte Schmidt. Das betreffe nicht nur junge Familien. Auch viele Menschen jenseits der 50 würden sich auf dem Lande ein Eigenheim schaffen oder die Häuser ihrer Eltern übernehmen. «Nicht wenige Gemeinden haben schon keinen ausreichenden Bauplatz mehr. Die haben nicht die Sorge, dass die Leute wegziehen, sondern dass sie keinen Platz mehr für neue Mitbewohner haben.»

Dennoch rechnet der Minister damit, dass die demografische Entwicklung noch eine ganze Reihe von Problemen mit sich bringen wird. Sachsen habe im Wanderungssaldo - dem Verhältnis von Zuzug und Wegzug - zwar schon seit Jahren einen positiven Differenzbetrag, und auch die Prognosen über den Bevölkerungsschwund seien nicht so eingetroffen wie ursprünglich angenommen. «Dennoch brauchen wir noch mehr Zuzug und eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften.»

Schmidt geht von einem riesigen Potenzial des ländlichen Raumes aus. Viele Leute würden auch angesichts steigender Mieten in den Städten gern aufs Land ziehen. Was den Bau von Eigenheimen betreffe, wirke die momentane Situation mit erheblichen Steigerungen bei Baupreisen, langen Wartezeiten bei Baufirmen und Handwerkern sowie steigenden Zinsen für Baukredite allerdings wie eine Bremse.

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