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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Förderung: Tourismus und Naturschutz in Sächsischer Schweiz

Die Bäume eines Mischwaldes sind im Nationalpark Sächsische Schweiz zu sehen. / Foto: Matthias Rietschel/dpa/Archivbild
Die Bäume eines Mischwaldes sind im Nationalpark Sächsische Schweiz zu sehen. / Foto: Matthias Rietschel/dpa/Archivbild

Sachsen will den Tourismus im Elbsandsteingebirge noch mehr im Einklang mit dem Naturschutz entwickeln. Das kündigte die Regierung am Dienstag nach einer Kabinettssitzung auf der Bastei in Rathen an. Es gehe auch darum, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Gemeinsam mit Verantwortlichen in der Region wolle man auf einem Nationalparkforum die Gedanken der Bevölkerung aufnehmen und sie umzusetzen versuchen: «Wir wünschen uns sehr das aktive Mittun. Der Erfolg ist am Ende immer der Lohn der Tüchtigen.»

Nach den Worten von Kretschmer soll das 400 Kilometer lange Wegenetz im Nationalpark Sächsische Schweiz erhalten bleiben. Insgesamt gibt es in der Region 1200 Kilometer Wege. Zur letzten Besucherzählung 2008 wurden 3,5 Millionen Nutzer erfasst. Ulf Zimmermann, Chef der Nationalparkverwaltung, geht inzwischen von einer höheren Zahl aus. Zudem habe sich das Verhalten der Gäste geändert. Manche würden schon vor Sonnenaufgang anreisen und auch viel länger in der Natur bleiben. Das alles stelle die Parkverwaltung vor große Herausforderungen. Laut Zimmermann sind mehr Park-Ranger erforderlich, um den Ansturm zu bewältigen. Vielbegangene Wege wie der von Rathen zum Basteifelsen würden im Monat von etwa 35.000 Menschen genutzt.

«Die Summe an Gästen birgt jedoch das Risiko, den Nationalpark Sächsische Schweiz zu überlasten. Hier müssen wir eine neue Balance zwischen Naturschutz und Tourismus finden», erklärte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne). Deswegen habe man nun eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Es gehe um einen Nationalpark, in dem Natur und Tiere geschützt werden sollen. Man müsse aber feststellen, das Felsenbrüter wie Wanderfalke und Schwarzstorch sich ausgerechnet in der Schutzregion nicht positiv entwickelten. Das habe etwas mit dem hohen Besucheraufkommen zu tun. Deshalb gelte es, bestimmte Dinge strategisch neu auszurichten.

«Die Schönheiten der Region kennen keine Staatsgrenze. Mir ist es deshalb wichtig, die Zusammenarbeit mit der tschechischen Seite auszubauen», betonte Günther. Auf tschechischer Seite grenzt der Nationalpark Böhmische Schweiz an. Konkrete Investitionskosten für einzelne Projekte wurden mit Verweis auf die laufenden Haushaltsverhandlungen nicht genannt.

Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Kralinski kündigte ein Konzept für eine «sanfte Mobilität» an. Mit einer effektiven Verkehrslenkung sollen die Besucherströme besser verteilt werden. Dabei will der Freistaat auch auf moderne Technik setzen, etwa Sensoren, die die Belegung von Parkplätzen anzeigen und Alternativen aufzeigen. Kralinski berichtete, dass Sachsen aus dem Hochwasser-Fonds des Sommers 2021 rund 134 Millionen Euro Aufbauhilfe bekommt. Zwei große Projekte in dem am schwersten betroffenen Ort Reinhardtsdorf-Schöna im Umfang von insgesamt 30 Millionen Euro sollen zu 100 Prozent gefördert werden, der Rest vorerst zu 75 Prozent.

Die marode Baude auf dem Großen Winterberg und das Alte Zeughaus im Kirnitzschtal will der Freistaat als neuer Eigentümer sanieren und dann Betreiber für eine Nutzung suchen. Beim Großen Winterberg stehe man bereits wieder im Grundbuch, beim Zeughaus sei man auf einem guten Weg, sagte Kretschmer. Er gehe davon aus, dass dort später keine 5-Sterne- Luxushotels entstehen. Es gehe zunächst darum, den Bestand zu sichern, die Gebäude zu sanieren und dann einen Betreiber für eine wirtschaftliche Nutzung zu finden.

Vor der Kabinettssitzung hatte die Regierung die Wanderstiefel geschnürt und war dann auf den Basteifelsen gestiegen - anfangs bei strömendem Regen. Kretschmer versuchte, seine Kollegen mit dem Spruch «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung» zu motivieren. Auch auf der Pressekonferenz nach der Sitzung konnte er dem kühlen Nass etwas Positives abgewinnen. Regen sei in dieser Zeit der Trockenheit ein hohes Gut, sagte der Ministerpräsident.

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