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Waschbären haben die Grenzen von Prag erreicht

Symbolbild Waschbär / pixabay Kathy_Büscher
Symbolbild Waschbär / pixabay Kathy_Büscher

Ein Waschbär geriet kurz vor Prag in eine Fotofalle. Naturschützer halten es für wahrscheinlich, dass er sich weiter ausbreiten wird.

Waschbären haben laut der Naturschutzorganisation Alka Wildlife erstmals die Grenzen von Prag erreicht. Eine Fotofalle hat einen von ihnen nur zwei Kilometer von der Metropole entfernt aufgenommen, in die er über das Tal der Berounka vordringt. Der tschechische Naturforscher Jan Cukor hält es für hoch wahrscheinlich, dass sich der Waschbär auf tschechischen Gebiet weiter ausbreiten wird. Das meldet CT24.

Der nordamerikanische Waschbär, von den Amerikanern scherzhaft „Trash Panda“ (Müll-Panda) genannt, gilt bei uns als invasive Art. Er gelangte erst vor 99 Jahren nach Europa, damals als Pelztier nach Deutschland. Da es sich jedoch um einen sehr schlauen Kerl handelt, konnte er entkommen und begann sich schnell in der Umgebung auszubreiten, einschließlich der Tschechischen Republik. Und weil er hier keine natürlichen Feinde hat, breitet er sich weiter aus und das Gebiet, in dem er vorkommt, wird immer größer.

Über die Waschbären spricht im Interview für ČT24 der tschechische Naturforscher Jan Cukor vom Forschungsinstitut für Forstwirtschaft und Jagdwesen, der von einer bedeutenden gesamteuropäischen Konferenz EuroRaccoon zurückgekehrt ist, die genau dieser invasiven Art gewidmet war. Er würde keinesfalls sagen, dass Wissenschaftler den Waschbären ungern sehen. Im Gegenteil. Die Aufgabe der Wissenschaftler sei es, unabhängig seine möglichen Auswirkungen auf die einheimischen Ökosysteme zu überprüfen, und auf Basis dieser Erkenntnisse entscheiden dann die zuständigen Institutionen, wie mit dieser invasiven Tierart in unserer Natur umgegangen werden soll. 

Die Situation sei etwas komplizierter, weil der Waschbär wirklich ein sehr niedliches Tier sei, das auf den Menschen auf den ersten Blick wie ein liebenswertes kleines Wesen wirkt. Deshalb können Regulierungsabsichten in der breiten Öffentlichkeit nicht besonders positiv aufgenommen werden. In Wirklichkeit handele es sich um ein Tier, das potenziell für den Menschen gefährliche Parasiten übertragen kann. Das Hauptproblem sei jedoch die Auswirkung auf die einheimischen Tiere, vor allem auf geschützte Arten von Reptilien, Amphibien oder Vögeln und deren Nester. Der Waschbär stelle ein weiteres destabilisierendes Element dar, das es früher hier nicht gab und das für bestimmte Tierarten den Wendepunkt in der Populationsdynamik bedeuten kann – mit allmählichem Rückgang der Populationen bis hin zu ihrem Verschwinden.

 In manchen Gebieten nehme der Anteil einheimischer Prädatoren tatsächlich ab und die Zahl der nordamerikanischen Waschbären zu. Das bedeute jedoch nicht, dass die Zahlen der einheimischen Prädatoren sinken – im Gegenteil. Der Waschbär ergänzt diese Populationen und verstärkt zusammen mit den einheimischen Prädatoren den Druck auf Arten, die früher völlig alltäglich waren, jetzt aber zurückweichen.