Tschechien und Deutschland haben nach Gesprächen zwischen dem tschechischen Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček und der deutschen Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche in Berlin eine mögliche Zusammenarbeit bei kleinen modularen Reaktoren in Aussicht gestellt. Havlíček berichtete, Reiche habe sich nach dem Stand der SMR (Small Modular Reaktor)-Entwicklung in Tschechien erkundigt und die Option eines künftigen Einsatzes in Deutschland nicht ausgeschlossen. Das teilte Tschechien.News mit.
Der tschechische Energiekonzern ČEZ ist nach Angaben Havlíčeks Miteigentümer eines Unternehmens, das SMR herstellt, und hält rund 20 Prozent der Anteile bei Rolls Royce SMR. Dies begründe ein nationales Interesse, dass sich die Technologie international durchsetze und die tschechische Industrie daran partizipiere. Für Prag sei wichtig, partnerschaftliche Modelle zu prüfen, die Technologietransfer und industrielle Beteiligung ermöglichen.
Die Debatte um Kernenergie hat in Deutschland mit der Regierungsbildung unter Bundeskanzler Friedrich Merz neue Dynamik erhalten. Vor allem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder gilt als profilierter Befürworter von SMR, und bei einem bevorstehenden Treffen von Premierminister Andrej Babiš und Ministerpräsident Söder in München soll die Rolle der Kernenergie erneut zentral erörtert werden. Havlíček wird an diesem Treffen teilnehmen und die tschechische Perspektive einbringen.
Bei sogenannten Small Modular Reactors (SMR) handelt es sich um kleinere Atomkraftwerke, oft auch Mini-AKW genannt. Sie können in einer Fabrik vorgefertigt und montiert und dann gebrauchsfertig zum Standort transportiert werden. Das reduziert Bauzeit und Komplexität und damit auch die Kosten erheblich. ´Sie benötigen deutlich weniger Platz als herkömmliche Kernkraftwerke. Die Stromproduktion kann flexibel an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Die Sicherheitssysteme und -standards sind identisch wie bei normalen AKW. Ein SMR funktioniert ähnlich wie traditionelle Kernreaktoren, aber in kleinerem Maßstab. Der Kern enthält einen Kernbrennstoff, typischerweise Uran, das durch Kernspaltung eine erhebliche Menge Wärme freisetzt. Diese Wärme wandelt Wasser in Dampf um, der dann eine Turbine antreibt, die wiederum einen Generator antreibt und so Strom erzeugt. Die Technik ist also identisch wie bei einem normalen Kernkraftwerk. Ein durchschnittlicher SMR benötigt etwa 10.000 Quadratmeter Fläche, ein normales AKW etwa 100mal soviel.