Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Freien Werkschule Meißen wurde in den Winterferien ein gemeinsames Digitalisierungsprojekt mit dem Stadtarchiv Meißen umgesetzt. Das teilte die Stadt Meißen mit. Ziel war es, bislang wenig erforschte Unterlagen zur Schulgeschichte und zum Oberinspektor der Königlichen Porzellanmanufaktur, Gustav Ludwig Crasso (1810–1898), zu sichern und zugänglich zu machen.
Die Schule, heute im ehemaligen Stadtkrankenhaus auf dem Crassoberg untergebracht, lieferte den Anlass: Schulleiterin Dorothee Finzel veranlasste die Recherche im Archiv und regte an, Funde in eine neue Ausstellung einfließen zu lassen. Im Städtischen Archiv lagert ein kleiner Nachlass Crassos mit Familienpapieren, Testamenten, Erbschaftsverzeichnissen, Stammbäumen sowie Aufzeichnungen zum Crasso’schen Weinberg und zu Winzerkontrakten.
Um diese Quellen digital zu sichern, vereinbarten Schule und Archiv ein gemeinsames Projekt, das im Rahmen der sogenannten "Elternstunden" durchgeführt wurde. Dieses gemeinnützige Engagementformat ermöglicht Eltern, sich praktisch an schulischen Projekten zu beteiligen und zugleich die Gemeinschaft zu stärken. Für das Stadtarchiv war die Unterstützung besonders wertvoll, da die eigenen Ressourcen eine zügige Digitalisierung kaum erlaubt hätten.
Archivleiter Paul Sperber würdigte das Engagement: "Die Kooperation war für uns ein Glücksfall. Dank der Eltern konnten wir bislang nahezu unbekannte Dokumente aus dem Crasso-Nachlass sichern und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen." Insgesamt wurden 2.499 Dokumente digitalisiert. Die Dateien sollen künftig Forschern und der interessierten Öffentlichkeit besser zugänglich gemacht werden.
Für die beteiligten Eltern bot das Projekt unmittelbare Einblicke in konservatorische und dokumentarische Arbeitsweisen. Sie arbeiteten direkt mit originalen historischen Quellen und lernten, wie digitale Sicherung und Erschließung zusammenwirken, um historische Bestände zu bewahren.
Die Initiative verbindet bürgerschaftliches Engagement, schulische Bildung und Denkmalschutz. Sie stärkt die lokale Erinnerungskultur und macht ein Stück Meißner Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts leichter zugänglich – ein Beispiel gelebter Stadtgeschichte.