Die Stadt Meißen beteiligt sich 2026 am landesweiten Themenjahr „Tacheles – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ und rückt jüdisches Leben, jüdische Kultur und Geschichte mit einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm in den Mittelpunkt. Über das Jahr hinweg laden Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Zeitzeugenformate, Theater- und Gedenkveranstaltungen dazu ein, jüdisches Leben in all seinen Facetten zu erkunden. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag mit.
„Meißen blickt auf eine besonders lange und vielschichtige jüdische Geschichte zurück. Mit unserer Beteiligung am Jahr der jüdischen Kultur machen wir deutlich: Jüdisches Leben gehört zu unserer Stadt – gestern, heute und morgen“, so Oberbürgermeister Markus Renner. „Wir laden 2026 dazu ein, sich zu daran erinnern, zu lernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich danke allen Partnern, die uns auf diesem Weg begleiten und unterstützen“
Meißner Einrichtungen, Kirchgemeinden, Vereine und Kulturschaffende beteiligen sich mit eigenen Formaten. Sie eröffnen unterschiedliche Zugänge und sprechen so ein breites Publikum an. Gemeinsam gaben sie heute im Stadtmuseum eine Vorschau auf das Geplante.
Eine Geschichte voller Brüche
Im heutigen Stadtgebiet von Meißen hielten sich jüdische Siedler vermutlich seit dem frühen Mittelalter auf. Das erste jüdische Bethaus findet schon für das Jahr 1180 urkundliche Erwähnung und soll am Meißner Nikolaisteg gestanden haben. Sogar das Stadtwappen trägt einen Judenkopf. Es stammt aus einer Zeit, als die Juden unter dem Schutz des Markgrafen standen. Doch auch in Meißen ist das Schicksal der Jüdinnen und Juden auf der anderen Seite gezeichnet von schmerzvollen Brüchen, von falschen Anschuldigungen, Verfolgung und Vernichtung.
„Das Programm greift diese Dissonanz bewusst auf, zeigt einerseits die Vielfalt jüdischer Kultur, macht aber zugleich Brüche, Verluste und offene Fragen sichtbar“, so Kulturreferentin Sara Engelmann. „Neben dem stillen Gedenken laden wir zum Weiterdenken und Austauschen ein – humorvoll, berührend und unterhaltsam. Uns ist es dabei wichtig, jüdische Stimmen und Perspektiven einzubeziehen und nachhaltige Kooperationen zwischen Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft zu stärken. Das Themenjahr versteht sich als Impuls für eine langfristige Auseinandersetzung.“
Ein besonderer Schwerpunkt für die Stadt Meißen liegt auf der Ausstellung „Jüdisches Meißen“, die in der Frauenkirche zu sehen sein wird. Sie zeigt anhand von Texten, Bildern und Objekten das historische Zusammenleben in der Stadt – jenseits einer reinen Fokussierung auf die Schoah, aber ohne Verfolgung und Vernichtung auszublenden. Ergänzt wird das Programm durch die Zeitzeugenpräsentation „Fragt uns, wir sind die letzten“ im Stadtmuseum Meißen sowie durch mobile und digitale Begegnungsformate.
Das Themenjahr Tacheles wird in Sachsen erstmals landesweit und dezentral umgesetzt. Ziel ist es, jüdische Kultur und Geschichte als Bestandteil der sächsischen Kultur- und Regionalgeschichte zu vermitteln, bestehende Angebote sichtbarer zu machen, Leerstellen und Verluste zu benennen, den Dialog mit der jüdischen Gemeinschaft zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen. Angesichts zunehmender antisemitischer Bedrohungen versteht sich das Themenjahr zugleich als wichtiger Beitrag zur Stärkung demokratischer Werte.
Aktuelle Informationen und mögliche Ergänzungen zum Programm sind online abrufbar unter tacheles.sachsen.de/veranstaltungen.
Veranstaltungen in Meißen 2026 (Auswahl)
- 27. Januar 2026 Holocaust-Gedenktag 13 Uhr Kranzniederlegung, Kerstingstraße 14 Uhr Andacht, Nikolaikirche 15 Uhr Stolpersteine-Führung
- 18. April 2026: Schneeblumengedenkweg Erinnerungsetappe Meißen, Kapelle St. Wolfgang (Obermeisa)
- 3. Mai 2026: „Tacheles“ Philharmonisches Konzert der Elbland Philharmonie Sachsen, Theater Meißen
- 29. Mai 2026: Konzert mit Youkali „Seiltänzerin ohne Netz“, Theater Meißen
- 29. bis 31. Mai: Himmlischer Eifer – Eifer des Himmels – Tagung Juden und Christen lesen die Bibel, Evangelische Akademie Sachsen
- 12. bis 14. Juni 2026: Lesungen im Rahmen des Literaturfests Meißen
- 14. Juni 2026: Lesung auf der interkulturellen Bühne des Literaturfests & Auftakt „Jüdisches Leben erFahren“ (mobile Begegnungsstätte des Ariowitsch Haus e. V.), Theaterplatz
- 16. bis 21. Juni 2026: Zeitzeugenpräsentation „Fragt uns, wir sind die letzten“, Stadtmuseum Meißen Parallel: Virtuelles Zeitzeugenformat „Frag nach!“ in der Albrechtsburg Meißen
- 3. Juli: Auf den Spuren Jüdische Lebens in Meißen, Stadtführung mit Christiane Donath, Theaterplatz
- 4. bis 5. Juli 2026: Performance „Arrived“ im Rahmen des Gassenzaubers, Altstadt
- 5. Juli bis 06. Dezember 2026: Ausstellung „Jüdisches Meißen“, Frauenkirche Meißen
- 2. August 2026: Führung durch die Ausstellung „Jüdisches Meißen“ & Stadtrundgang, anschließend Konzert mit Alex Jacobowitz (im Rahmen des Meißner Kultursommers)
- 22. August 2026: Jalda Rebling & Friends, Frejlich und Frejgisch, Theaterplatz
- 5. September 2026: Lesung mit Musik im Dom zu Meißen Axel Thielmann liest Mascha Kaléko, Trio „Schwestern der Freude“
- 9. November 2026: Gedenkveranstaltung 15 Uhr Stolpersteine-Führung 19.30 Uhr Konzert in der Frauenkirche Meißen
- 21./22. November 2026: Konzert im „Hafenstraße“ e. V. mit Rahmenprogramm Termin in Planung Theaterstück „Otto. Biographie eines Teddybären“, Albrechtsburg Meißen (Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen)