Für Kraftfahrer ist es seit einigen Wochen ein neues Gefühl, über die Stauffenbergallee in Dresden zu rollen. Auf jeweils einer Spur in jede Richtung können sie leise über den frischen Asphalt rollen, wenn auch hinter der S-Kurve stadtwärts noch vorbei an Absperrbaken auf der nördlichen Straßenhälfte. Bernd geht gerade auf dem Fußweg vorbei und freut sich über das neue Bild. Der Pieschener Senior, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, kennt noch andere Zeiten. „Schließlich war ich 43 Jahre Lkw-Fahrer und bin oft hier vorbeigekommen“, erzählt er. Die Fahrt über das uralte Holperpflaster sei schrecklich und nicht nur von ihm gefürchtet gewesen. „Ich freue mich jetzt, dass die Stauffenbergallee fast fertig ist“, sagt er.
Die rot-weißen Absperrbaken zeugen jedoch noch davon, dass die Bauleute noch einiges zu tun haben. Als die SZ vor einigen Tagen vor Ort war, arbeitete aber nur eine Kanalservice-Firma in einem Bereich direkt am Straßenrand.
Verzögerungen beim Ausbau am Hammerweg
Der Ausbau der Königsbrücker Straße hat sich erheblich verzögert. Deshalb hatte sich die Stadt entschlossen, nach Jahrzehnten des Wartens die Stauffenbergallee endlich zu sanieren. Seit Mai 2024 ist das Kopfsteinpflaster im 1,5 Kilometer langen Stück zwischen Hammerweg und Rudolf-Leonhard-Straße mit ihren 3,5 Meter breiten Fahrspuren abschnittsweise verschwunden – außer im letzten Stück.
Auf vorbereiten Unterlagen wurden nacheinander jeweils drei Asphaltschichten eingebaut, erklärt das Straßenbauamt das Prinzip. Parallel dazu hat die Stadt Geh- und Radwege ausbauen und Leitungen erneuern lassen. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten bereits im Oktober vergangenen Jahres komplett zu beenden. Aufgrund von Verzögerungen im Bereich der Kreuzung Hammerweg konnte dieser Termin jedoch nicht gehalten werden.
Komplett freigeben ist die asphaltierte Stauffenbergallee in dem Abschnitt nach dem Hammerweg. Der Kfz-Verkehr kann in jede Richtung durchgängig auf einer Fahrspur rollen. Straße über einen Kilometer komplett asphaltiert.
Bis Ende Dezember war ein großer Teil der Fahrbahn fertiggestellt. Noch vor dem Jahresende war der Abschnitt zwischen der S-Kurve an der Polizeiinspektion bis zur Straße „Zum Reiterberg“ weitgehend fertiggestellt sowie die letzten Reste der provisorischen Fahrbahn im Bereich der Justizvollzugsanstalt beseitigt. Somit ist die Fahrbahn auf über einem Kilometer komplett frisch asphaltiert. Leitungsverlegungen im Baufeld sind größtenteils abgeschlossen. Ausgebaut ist der stadteinwärts verlaufende 2,5 Meter breite Fußweg, den jetzt Radfahrer mit nutzen können. Stadtauswärts wird ein zwei Meter breiter Radstreifen angelegt.
Warten auf wärmeres Wetter
Der mittlere Abschnitt von der Polizeiinspektion bis zur Straße „Zum Reiterberg“ ist zwar samt des markierten Radwegs fertig. Dort stehen in der Fahrbahnmitte aber noch Absperrbaken, sodass die stadtauswärts führende Hälfte noch nicht frei ist. Was bleibt dort noch zu tun?
„In Höhe Haus Nr. 77 wird eine neue Querungshilfe für Fußgänger, bestehend aus Gehwegvorstreckung und Mittelinsel, errichtet“, erklärt das Straßenbauamt. Die Sperrflächen sind noch zu markieren. Die Markierungsarbeiten können jedoch erst bei länger anhaltenden Bodentemperaturen über zehn Grad Celsius ausgeführt werden. „Die Absperrbaken können erst abgebaut werden, wenn die zweite Hälfte der Einmündung „Zum Reiterberg“ als Baufeld eingerichtet wurde und die Verkehrsführung im Bereich der Einmündung verschwenkt werden kann“, verweist das Straßenbauamt auf die Voraussetzung. Für die Verschwenkung sind jedoch ebenfalls Markierungsarbeiten erforderlich, die bei den derzeitigen Bodentemperaturen nicht ausgeführt werden können. Wegen der Witterungsabhängigkeit könne der Freigabetermin der stadtauswärts führenden Hälfte des Mittelabschnitts noch nicht benannt werden.
Marode Regenwasser-Ablaufleitung wird repariert
„Im Zuge der Arbeiten wurden die 63 Abwasser-Schachtbauwerke instandgesetzt oder falls nötig teilerneuert“, erklärt Gullyspezialist Daniel Kalweit von der Stadtentwässerung. „Die Schachtdeckel haben wir komplett ausgetauscht.“ Beim Straßenbau hat die Wilsdruffer Firma Teichmann auch die Schächte instandgesetzt oder saniert. „Mit der Qualität an unseren Abwasserschächten bin ich sehr zufrieden. Da gab es keine Mängel“, resümiert Kalweit.
Jetzt gebe es nur noch Arbeiten an einem Abwasserschacht an der Ecke der Straße Zum Reiterberg. „Dort muss noch eine Edelstahlleiter eingebaut werden. Wenn die letzten Bereiche asphaltiert sind, gibt es eine gemeinsame Begehung mit dem Straßen- und Tiefbauamt. Dann wird alles abgenommen“, sagt der Gullyspezialist.
Die Kanalservice-Firma, die auf dem fertigen, aber noch immer abgesperrten Abschnitt an einem Regenwassereinlauf arbeitet, tut dies im Auftrag der Stadt. Instandgesetzt werden dort noch Leitungen der Straßenentwässerung.
Aus geplanter Fertigstellung im Februar wird nichts
Zuletzt muss jetzt noch das rund 450 Meter lange Stück zwischen der Straße „Zum Reiterberg“ und der Zufahrt zum Kleingartenverein Friedenswacht fertiggestellt werden. Mit dem Abbaggern des Pflasters und dem Herstellen des neuen Unterbaus sind die ersten Arbeiten hinter der Reiterberg-Einmündung geschafft. In Richtung Rudolf-Leonhard-Straße prägt aber noch uraltes Pflaster das Bild auf dieser Fahrbahnhälfte.
„Die Fertigstellung verzögert sich aufgrund witterungsbedingten Bauunterbrechung“, stellt das Straßenbauamt klar. Bisher war der nächste Monat das Ziel. „Als neuer Fertigstellungstermin wird derzeit Ende März 2026 angepeilt“, so die Behörde.
Bis zum Abschluss dieser Restarbeiten wird es noch geringe Verkehrseinschränkungen für Autos und den Radverkehr geben. Die Fußwege sind bereits mindestens auf jeweils einer Seite frei.
Auch bei den vorgesehenen Kosten von rund 2,9 Millionen Euro wird es nicht bleiben. Durch zusätzliche Leistungen werden sie sich erhöhen. „Die Auftraggebergemeinschaft und die Firma Teichmann befinden sich hierzu in einem laufenden Abstimmungsprozess. Eine Summe kann derzeit nicht benannt werden“, erklärt das Straßenbauamt.
Ist der letzte Abschnitt fertig, muss noch die endgültige Fahrbahnmarkierung aufgebracht werden. Hergestellt werden zudem die vier geplanten Querungshilfen für Fußgänger. „Da für die Herstellung eine bauzeitliche Lichtsignalanlage erforderlich wird, sind die Arbeiten für die Ferien geplant. Die Herstellung der Querungshilfen erfolgt nacheinander“, erläutert das Straßenbauamt. Außerdem werden nach der kompletten Freigabe noch die Induktionsschleifen für die Kfz-Zählermessstelle vor dem Gebäude des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr eingebaut.
Text: Peter Hilbert