Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt im Kreis Meißen. Die Situation wird immer prekärer, insbesondere für die rund 3.520 Azubis im Landkreis, von denen viele noch bei ihren Eltern wohnen. "Das ist nicht immer ganz freiwillig", sagt Jörg Borowski von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Er weist darauf hin, dass Azubis zunehmend Schwierigkeiten haben, eine eigene Wohnung bezahlbar zu finden.
Insbesondere problematisch wird es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil Wohnkosten zu hoch sind. "Wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können, ist das tragisch", kritisiert Borowski. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Dresden warnt: "Wenn Ausbildungsverträge aufgrund von Wohnungsmangel und hohen Mieten scheitern, ist das nicht akzeptabel. Die heimische Wirtschaft kann sich das nicht leisten."
Angesichts dieser Lage fordert Borowski, dass der Bund und der Freistaat Sachsen den Neubau von Azubi-Wohnungen unterstützen, insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Er spricht sich auch für Steueranreize aus, wenn Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Azubis eine Unterkunft erhalten. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt betreffen nicht nur Azubis, sondern auch Studierende. Borowski fordert daher gezielte Förderungen für den Bau von studentischen Wohnheimen in Universitätsstädten.
Die IG Bau Dresden mahnt zudem, dass ältere, insbesondere die geburtenstarken Jahrgänge von Wohnarmut bedroht sind. Im Landkreis Meißen leben rund 32.800 Baby-Boomer, die bis 2035 in Rente gehen werden. Viele von ihnen erhalten nur eine niedrige Rente und haben häufig Phasen der Arbeitslosigkeit hinter sich. Dies führt dazu, dass zahlreiche Baby-Boomer ihre Wohnungen kaum noch finanzieren können.
Die IG BAU warnt vor einer weiteren Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt. Mieten steigen seit Jahren kontinuierlich, und Borowski fordert sinkende und bezahlbare Mieten. Er sieht den Neubau von Sozialwohnungen als einen wesentlichen Schritt, um die Situation zu verbessern. "Nur mehr günstiger Wohnraum kann Druck auf die Mieten am Markt ausüben. Der Neubau von Sozialwohnungen muss eine politische Herzensangelegenheit werden", betont Borowski.
Laut dem "Sozialen Wohn-Monitor" des Pestel-Instituts sei eine Verdopplung von derzeit 1 auf 2 Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis Mitte des nächsten Jahrzehnts notwendig. Für Sachsen bedeutet dies konkret, dass bis 2035 insgesamt 120.300 Sozialwohnungen entstehen müssen. Borowski hebt hervor, dass dies 10.700 zusätzliche Sozialwohnungen pro Jahr für Sachsen umfasst. Um diese Zielmarke zu erreichen, ist eine intensive Förderung durch den Bund und den Freistaat Sachsen nötig. "Die Fördergelder des Bundes müssen bereits zum Baubeginn verfügbar sein und dürfen nicht über Jahre verteilt ausgezahlt werden", fordert Borowski.
Ein weiterer Punkt sind die Baukosten. Um günstiger bauen zu können, bietet der Regelstandard "Erleichtertes Bauen" ideale Lösungen. "Es geht darum, einfacher zu bauen und mit denselben Mitteln mehr Sozialwohnungen in guter Qualität und mit niedrigen Instandhaltungskosten zu schaffen", erklärt Borowski. Zusätzlich fordert er den Freistaat auf, eine öffentliche Statistik zu führen, um Transparenz über den Bau neuer Sozialwohnungen in Sachsen zu schaffen.