In der Rubrik „Laut gedacht“ werden Gedankenspiele vorgestellt, zu denen uns Ihre Meinung interessiert, liebe Leserin und Leser.
Deutschland steht gesellschaftlich vor großen Herausforderungen, da verkünden wir hier sicherlich keine Neuheiten. In den letzten Dekaden sind einige politische Instrumente eingeführt worden, die positiv auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft wirken sollen. Einige waren gut gemeint, wurden schlecht umgesetzt oder am Anfang als Arbeitsplatzkiller verrufen. Das Gedankenspiel in diesem Text dreht sich um die Themen Hartz 4 und den bösen Mindestlohn, dessen düstere medialen Prognosen nie eingetreten sind.
Bevor wir zum Diskussionsthema kommen, zuerst ein kurzer Rückblick auf die Hartz-Reformen, die im Dezember 2002 in Kraft getreten sind, und Teil der Agenda 2010 von Gerhard Schröder waren. Heute bestimmt Hartz 4 häufig die politische Diskussion. Doch was ist mit Hartz 1, 2 und 3? Der Vollständigkeit halber eine kurze Übersicht:
Wäre es nicht schön, der Gesellschaft etwas zurückzugeben?
Basierend auf den vorgenannten Themen haben wir darüber nachgedacht, wie sich die Gesellschaft wohl entwickeln würde, wenn jeder etwas Sinnvolles tun würde, anstatt sich von früh bis spät bunte Bilder und Videos von anderen Menschen anzuschauen.
Wie eingangs erwähnt sollen hier zwei sozial- und arbeitsmarktpolitische Instrumente beleuchtet werden. Das erste ist der Mindestlohn, der seit dem 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro festgelegt wurde. Auf der anderen Seite haben wir Hartz 4 mit einem derzeitigen Satz von 424 Euro pro Monat. Wenn man nun die 424 Euro durch 9,19 Euro teilt, kommt man auf 46 Stunden pro Monat, 11,5 Stunden pro Woche oder 2,3 Stunden pro Tag. Wenn jeder, der Leistungen vom Staat bezieht also täglich 2 Stunden etwas für die Gesellschaft machen könnte, dann wäre vielen Menschen geholfen.
Nun stellt sich die Frage nach den Tätigkeiten und der entsprechenden Qualifikation. Ja, darüber haben wir lange nachgedacht und ein paar Ideen entwickelt, die sicherlich noch nicht zu Ende gedacht sind, jedoch einen Anfang darstellen. Vor allem müssen es Tätigkeiten sein, die den ersten Arbeitsmarkt unterstützen und nicht torpedieren oder da ausgeführt werden, wo aktuell kein wirtschaftlicher Betrieb möglich wäre ist. Wir denken auch, dass jeder einer Aufgabe nachgehen sollte, die ihm wirklich liegt und ausfüllt.
Pflege
Wer beispielsweise einen Führerschein hat, könnte in der ambulanten Pflege als Fahrer unterstützen, damit die eigentlich Pflegefachkraft während der Fahrt die Dokumentation machen und die eingesparte Zeit für die Kunden nutzen kann.
Bürgerbusse auf dem Land
Der öffentliche Personennahverkehr im ländlichen Raum hat längst nicht die Dichte, die sich die Menschen ohne Auto auf dem Land wünschen. Auch hier könnte durch gesellschaftliche Arbeit Abhilfe geschaffen werden.
Kleine Läden auf dem Land
Oder wie wäre es, wenn die Tante-Emma-Läden in den Dörfern wieder reaktiviert würden. Häufig reichen die Absatz- und Umsatzzahlen nicht, um einen Laden wirtschaftlich betreiben zu können. Hier würden dann nicht nur „Verkäufer“-Stellen geschaffen, sondern Dorfkerne wiederbelebt.
Auch in Sportvereinen, in der Obdachlosenhilfe oder in vielen anderen Ehrenämtern gibt es sicher Möglichkeiten, einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Diese Tätigkeiten geben den Menschen wieder einen Sinn im Leben, sie fühlen sich nützlich und als Teil der Gesellschaft. Sie machen Menschen glücklich und bekommen vielleicht ein Lächeln zurück.
Wie das Handelsblatt berichtet, soll ab Juli dieses Jahres in Berlin ein ähnliches Modell starten. Was halten Sie von diesem Gedanken? Schreiben Sie uns an redaktion@diesachsen.com oder nutzen Sie die Kommentarspalte auf unserer Facebook-Seite.