Der Ost-West-Vergleich, der in Umfragen und Diskussionen immer wieder auftaucht, verdeutlicht eine tief verwurzelte Spaltung in der Wahrnehmung zwischen Ost- und Westdeutschland. Auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt sich in den Antworten der befragten Ostdeutschen, dass viele Menschen sich im Vergleich zum Westen benachteiligt fühlen. Doch ist dieser Vergleich tatsächlich noch zeitgemäß oder gar nützlich?
Vergleiche haben oft das Potenzial, Ungleichheiten zu verstärken und negative Gefühle zu schüren. Wenn wir uns ständig mit anderen messen, verlieren wir leicht den Blick auf die individuellen Gegebenheiten und Besonderheiten der verschiedenen Regionen. Ein Vergleich suggeriert, dass es eine "bessere" und eine "schlechtere" Seite gibt, was die Realität jedoch oft nicht widerspiegelt.
In Dresden beispielsweise gibt es sowohl Millionäre als auch Normalverdiener – genauso wie in westdeutschen Großstädten. Auf dem Land, sei es in Sachsen oder Bayern, ist das Leben ohnehin anders als in der Stadt. Die Lebenswirklichkeiten sind vielfältig und unterscheiden sich nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Stadt und Land, zwischen verschiedenen sozialen Schichten und zwischen jungen und alten Menschen.