Enteignung, Genozid, Völkermord - eine neue Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) widmet sich der Überwindung des Schweigens nach individuell und kollektiv erlittenen Traumata. Unter dem Titel «Sprachlosigkeit - Das laute Verstummen» (16. April bis 1. August) stehen im nach wochenlanger Corona-Pause öffnenden Japanischen Palais Objekte aus den Völkerkundemuseen in Dresden und Leipzig im Dialog mit zeitgenössischen Werken — Fotografien, Videos, konzeptuelle Werke und Installationen. Es gehe um die Aufarbeitung von Erinnerung und die Frage, welche Funktion und Möglichkeiten die Künste und Kultur dabei haben können, sagte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann am Donnerstag.
Ausgehend von Werken des Lyrikers Paul Celan zeigt die Schau, wie Poesie einen Weg aus der Sprachlosigkeit bietet und empathisches Erinnern ermöglicht. Dessen Heimat, die vielschichtige Kulturlandschaft Bukowina, sei verschwunden, sagte Ackermann. «Das zeugt von der Fragilität von Kultur, wir müssen gut auf sie aufpassen, sie kann auch verschwinden.» Auch gerade die «von dem schrecklichen Wort Systemrelevanz» ausgehende gesellschaftliche Debatte verdeutliche, wie existenziell Kunst und Kultur seien.