Die Mehrarbeits- und Überstunden in den zehn sächsischen Gefängnissen häufen sich seit Jahren. Ende 2019 summierten sie sich nach Angaben des Justizministeriums auf mehr als 87 350, fast 1400 mehr als ein Jahr zuvor. Im Schnitt schleppte jeder Bedienstete gut 61 Überstunden mit, obwohl die Mehrarbeit regelmäßig auch durch entsprechende Vergütungen abgegolten werden konnte. «Es gibt zu wenig Personal», benannte ein Ministeriumssprecher einen Grund der Entwicklung.
Dazu kommen anhaltend hohe Krankenstände und der Anstieg nicht planbarer Abgänge. Dabei handelt es sich vor allem um vorzeitige Versetzungen in den Ruhestand - aus gesundheitlichen Gründen. «Die Bediensteten gehen mit 62 und nicht mit 67 in Pension», erklärte der Ministeriumssprecher. Und das Durchschnittsalter im allgemeinen Vollzugsdienst liege bei 44 Jahren. Zusätzlich strapazierten besondere Anlässe wie Bewachungen im Krankenhaus oder Sitzwachen die Kapazitäten.
Zudem bestehen den Angaben zufolge neue Probleme im Strafvollzug: mehr drogenabhängige Gefangene und mehr Ausländer. Inzwischen stammt jeder dritte Inhaftierte nicht aus Deutschland, seit 2015 erhöhte sich der Anteil damit um fast zehn Prozent. Das erfordert nach Ministeriumsangaben mehr Zeit, wenn erst ein Dolmetscher geholt und tätig werden muss.