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Sachsens Justiz im Generationswechsel: Jünger und weiblicher

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia. Foto: Volker Hartmann/dpa/Archivbild
Eine modellhafte Nachbildung der Justitia. Foto: Volker Hartmann/dpa/Archivbild

Die Justiz braucht Nachwuchs. Über die Hälfte der derzeitigen Richter geht im kommenden Jahrzehnt in den Ruhestand - damit verändert sich auch die Zusammensetzung der Gerichte.

Der Generationswechsel in der sächsischen Justiz ist für den neuen Präsidenten des Oberlandesgerichts (OLG), Leon Ross, eine der größten Herausforderungen. «Wir haben in Sachsen eine sehr leistungsfähige und motivierte Justiz», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Bis 2030 werden aber ungefähr 60 Prozent der Richterinnen und Richter der ordentlichen Gerichtsbarkeit in den Ruhestand gehen.» Ohne ausreichende Vorsorge könne das die Wissensweitergabe gefährden und bei den sehr starken Abgängen in vier, fünf Jahren die Leistungsfähigkeit der Gerichte beeinträchtigen.

Dabei erreichen viele nach 1990 eingestellte Richter aus dem Westen sowie aus dem DDR-Justizdienst übernommene Kollegen das Ruhestandsalter. «Wir haben rund 700 Richter in der ordentlichen Gerichtsbarkeit, davon werden etwa 400 in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen», sagte Ross.

Beim Einstellen junger Richterinnen und Richtern gehe es deutlich voran. «Vor zehn Jahren hatten wir in Sachsen etwa 30 Proberichter, momentan sind es 130.» Aber das reiche noch nicht, der Jurist plädiert für die vorausschauende Gewinnung von Personal. «Man könnte zum Beispiel zusätzliche Proberichter-Stellen für eine bestimmte Zeit schaffen.» Sie könnten wieder wegfallen, wenn die Ruhestandswelle den Höhepunkt erreicht und genug Stellen für die jungen Kollegen frei würden.

Bei der Nachwuchsgewinnung konkurriert die Justiz allerdings mit den benachbarten Bundesländern, anderen Verwaltungsstellen oder der Anwaltschaft. «Jeder ist auf der Suche nach den fähigsten jungen Juristinnen und Juristen», sagte Ross. Dabei helfen attraktive Arbeitsbedingungen, «die Möglichkeit, sich selbst verwirklichen, unabhängig und nicht in starre Hierarchien eingebunden zu sein, selbst entscheiden zu können». Ein weiterer Vorteil: Gerichte bieten Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Zwängen, Kunden- und Mandantenwünschen.

Inzwischen kommen rund 80 Prozent der Richterinnen und Richter, die neu eingestellt werden, aus dem Freistaat. «Die Justiz wird im Zuge des Generationenwechsels sächsischer, jünger und weiblicher», sagte Ross. Am OLG wurden gerade sechs Richterstellen besetzt, «alles Juristinnen aus Sachsen». Der Frauenanteil an der Richterschaft an Amts- und Landgerichten sowie dem OLG liege derzeit bei etwa 47 Prozent.

Ross will auch weibliche Karrieren in der Justiz befördern, Frauen in höheren Führungspositionen seien noch in der Minderheit. «Das ist aber gar nicht so einfach», verwies er auf Ausschreibungen für Beförderungsstellen, bei denen sich keine einzige Frau bewerbe. Oft seien Frauen am Anfang der Karriere in der Familienphase und arbeiteten in Teilzeit. Wenn aber der erste Karriereschritt fehle oder deutlich später gemacht werde, gerieten Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen oft ins Hintertreffen. «Auch weil Ortswechsel, die das Fortkommen befördern können, mit Familie oft schwierig sind.»

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

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