Muster hinter Fassaden
Nachdem die Regisseurin vor zehn Jahren eine Statistik zum Thema las, war sie zunächst überzeugt, keine Betroffene zu kennen. Das Thema ließ sie nicht los. Sie erkannte Muster und stellte fest: „Doch, ich kenne betroffene Frauen“. Der Titel „Fassaden“ meint diese Muster der Täter, aber auch Überlebensstrategien von gewaltbetroffenen Frauen und Häuserwände, hinter denen diese Übergriffe geschehen.
Mit Tanzszenen Strukturen enthüllt
Zunächst hatte sie einen Kurzfilm geplant. Je länger sie sich damit beschäftigte, umso klarer wurde ihr: „Das ist Stoff für einen längeren Film.“ Nach der richtigen Art der Umsetzung suchte sie lange. Klar war ihr von Anfang an, dass sie weder von häuslicher Gewalt betroffene Frauen noch Schauspielerinnen vor die Kamera stellen wollte. Ihr ging es nicht um Einzelfälle, sondern um die Struktur dahinter. Alina Cyranek entschied sich für Tanzszenen und Expertinnen und Experten vor neutralen Hintergründen. Die Schauspielerin Sandra Hüller liest Berichte betroffener Frauen auf dem Off. Die Filmmusik stammt von Freya Arde, deren klangliche Ideen und ihre Abstraktion sie begeisterten.
Mehrfach ausgezeichnete Dokumentation
„Fassaden“ wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2025. In der Laudatio hieß es: „Die klug gewählte, klare und eigene Form zeugt von Mut und Feingespür der Filmemacherin. Durch Reduktion und Abstraktion erschafft sie einen Raum, der es erst ermöglicht, sich auf die bittere Realität einzulassen.“ Genau das war und ist ihr wichtig, weil es in der Gesellschaft meist um die Täter, aber nie um die lebenslang traumatisierten Opfer gehe.
Gewalt ist nie privat
Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Konzept in unserer hierarchischen, gewalttätigen Gesellschaft, findet Alina Cyranek. Berauschende Gefühle der Macht spielten eine Rolle. Die meisten Menschen seien ignorant gegenüber dem Problem. „Aber Gewalt ist nie privat“, so die Regisseurin. Wohl wissend, dass ihr Film nicht alle Aspekte der Thematik abhandeln konnte. Dass darüber gesprochen wird und Auswege aus toxischen Beziehungen sichtbar werden können, ist ihre Hoffnung. „Der Film ist wie eine Handreichung“, lobte eine Zuschauerin der Premiere in Dresden.