Ein Drink in der Bar, ein Blackout, ein Verdacht. Was dann? Die meisten Menschen, die glauben, dass ihnen heimlich K.O.-Tropfen verabreicht wurden, gehen nicht zur Polizei. Das zeigen erste Zwischenergebnisse der Studie "Don’t knock me out", an der die Technische Universität Chemnitz beteiligt ist. Von 527 Menschen, die angaben, mindestens einmal Opfer solcher Substanzen geworden zu sein, erstatteten nur 48 eine Anzeige. Das ist weniger als jeder Zehnte.
Juniorprofessorin Charlotte Förster von der TU Chemnitz hat die Studie gemeinsam mit Thomas Beck vom Kompetenzzentrum Gewaltschutz der Tirol Kliniken in Innsbruck gestartet. Seit Ende 2024 können Menschen ab 14 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz anonym einen Online-Fragebogen ausfüllen. Mehr als 2.000 Personen haben bereits mitgemacht. Die ersten Zahlen aus Deutschland, basierend auf 1.288 verwertbaren Datensätzen, hat Förster nun ausgewertet.
Mehr Aufklärung nötig
Die Studie ist noch nicht abgeschlossen. Spätestens im Sommer 2026 soll eine umfassende Auswertung aller mehr als 60 Fragen vorliegen. Förster betont, dass die Erhebung keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt. "Vielmehr geht es darum, die existierenden Fälle zu erfassen und zu verstehen", sagt sie. Die Forschenden wollen herausfinden, warum so wenige Betroffene den Verdacht melden. Außerdem sollen die Ergebnisse helfen, bessere Aufklärungs- und Präventionsstrategien zu entwickeln.
Staatliche Förderung erhält die Studie bislang nicht. Mit einer privaten Spende von 5.000 Euro und Unterstützung der TU Chemnitz läuft derzeit eine Kampagne mit Gratispostkarten in den zehn größten deutschen Städten. Die Marketingagentur Saatchi & Saatchi und das Frauennetzwerk IVY Female Collective helfen ehrenamtlich mit Social-Media-Kampagnen. "Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Dunkelziffer beim Einsatz von K.O.-Tropfen weiter auszuleuchten", sagt Förster. Die bisherigen Zahlen zeigen bereits, dass das Ausmaß des Problems größer ist, als viele denken.
Hier gibt es weitere Informationen zum Forschungsprojekt "Don’t knock me out".