loading

Nachrichten werden geladen...

Studie zu K.O.-Tropfen: Nur jeder zehnte Fall wird angezeigt

Unbemerkt ins Getränk gemischt: K.O.-Tropfen können Menschen handlungsunfähig machen. Eine Studie der TU Chemnitz untersucht, wie verbreitet das Problem ist. © KI-generiert mit ChatGPT
Unbemerkt ins Getränk gemischt: K.O.-Tropfen können Menschen handlungsunfähig machen. Eine Studie der TU Chemnitz untersucht, wie verbreitet das Problem ist. © KI-generiert mit ChatGPT

In einem länderübergreifenden Projekt untersucht die TU Chemnitz K.O.-Tropfen-Fälle: 527 Menschen berichten von Verdacht, aber nur 48 erstatten Anzeige. Erste Ergebnisse zeigen eine große Dunkelziffer.

Ein Drink in der Bar, ein Blackout, ein Verdacht. Was dann? Die meisten Menschen, die glauben, dass ihnen heimlich K.O.-Tropfen verabreicht wurden, gehen nicht zur Polizei. Das zeigen erste Zwischenergebnisse der Studie "Don’t knock me out", an der die Technische Universität Chemnitz beteiligt ist. Von 527 Menschen, die angaben, mindestens einmal Opfer solcher Substanzen geworden zu sein, erstatteten nur 48 eine Anzeige. Das ist weniger als jeder Zehnte.

Juniorprofessorin Charlotte Förster von der TU Chemnitz hat die Studie gemeinsam mit Thomas Beck vom Kompetenzzentrum Gewaltschutz der Tirol Kliniken in Innsbruck gestartet. Seit Ende 2024 können Menschen ab 14 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz anonym einen Online-Fragebogen ausfüllen. Mehr als 2.000 Personen haben bereits mitgemacht. Die ersten Zahlen aus Deutschland, basierend auf 1.288 verwertbaren Datensätzen, hat Förster nun ausgewertet.

Viele Verdachtsfälle, wenige Beweise

Von den 527 Menschen, die glauben, selbst betroffen gewesen zu sein, waren sich 110 nicht ganz sicher. Weitere 302 Personen gaben an, dass jemand in ihrer Begleitung wahrscheinlich K.O.-Tropfen bekommen hat. Und 808 Befragte kennen mindestens eine Person, die einen solchen Verdacht hatte. Die Zahlen zeigen: Das Phänomen ist weit verbreitet.

Doch was bedeutet "K.O.-Tropfen" eigentlich genau? Die Forschenden sprechen von "Drink Spiking". Damit meinen sie, dass jemandem unbemerkt Substanzen ins Getränk gemischt werden. Diese Stoffe können Menschen benebeln, handlungsunfähig machen oder bewusstlos werden lassen. Oft werden sie genutzt, um Straftaten zu begehen.

Rechtsmedizinisch bestätigt wurde der Verdacht nur in 18 Fällen. Bei 42 Personen wurden Urin-, Blut- oder Haarproben genommen. "Zu einer rechtsmedizinischen Bestätigung, einer Anzeige bei der Polizei und strafrechtlichen Verfolgung kam es in diesen Verdachtsfällen jedoch sehr selten", sagt Förster. Die Angst vor K.O.-Tropfen sei besonders bei jenen ausgeprägt, die selbst schon einmal solche Erfahrungen gemacht haben.

Mehr Aufklärung nötig

Die Studie ist noch nicht abgeschlossen. Spätestens im Sommer 2026 soll eine umfassende Auswertung aller mehr als 60 Fragen vorliegen. Förster betont, dass die Erhebung keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt. "Vielmehr geht es darum, die existierenden Fälle zu erfassen und zu verstehen", sagt sie. Die Forschenden wollen herausfinden, warum so wenige Betroffene den Verdacht melden. Außerdem sollen die Ergebnisse helfen, bessere Aufklärungs- und Präventionsstrategien zu entwickeln.

Staatliche Förderung erhält die Studie bislang nicht. Mit einer privaten Spende von 5.000 Euro und Unterstützung der TU Chemnitz läuft derzeit eine Kampagne mit Gratispostkarten in den zehn größten deutschen Städten. Die Marketingagentur Saatchi & Saatchi und das Frauennetzwerk IVY Female Collective helfen ehrenamtlich mit Social-Media-Kampagnen. "Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Dunkelziffer beim Einsatz von K.O.-Tropfen weiter auszuleuchten", sagt Förster. Die bisherigen Zahlen zeigen bereits, dass das Ausmaß des Problems größer ist, als viele denken.

Hier gibt es weitere Informationen zum Forschungsprojekt "Don’t knock me out".

METIS