Sie wiegen genau richtig, treiben Sport und fühlen sich gesund. Trotzdem kann Ihr Stoffwechsel bereits entgleist sein. Jeder dritte Mensch mit Normalgewicht hat gefährliche Veränderungen im Körper, die der klassische BMI nicht erfasst. Forscher der Universität Leipzig haben nun zusammen mit Kollegen aus Göteborg einen neuen Index entwickelt. Er zeigt das wahre Krankheitsrisiko.
Der Body-Mass-Index berechnet sich aus Körpergröße und Gewicht. Er zeigt an, ob jemand übergewichtig ist. Doch er verrät nichts darüber, wie gesund der Stoffwechsel arbeitet. Manche Menschen sind schlank, ihr Körper verarbeitet Zucker und Fette aber schlecht. Andere wiegen mehr, ihr Stoffwechsel läuft dennoch rund. Diese Lücke wollten die Wissenschaftler schließen.
„Unser metabolischer BMI deckt eine versteckte Stoffwechselstörung auf, die auf der Waage nicht immer sichtbar ist", sagt Dr. Rima Chakaroun von der Universitätsmedizin Leipzig. Sie leitete die Studie während eines Gastaufenthalts an der Universität Göteborg. Zwei Menschen könnten den gleichen BMI haben, aber je nach Funktion ihres Stoffwechsels völlig unterschiedliche Risikoprofile aufweisen.
Darmbakterien als Schlüssel
Die Forscher entdeckten auch einen engen Zusammenhang mit den Darmbakterien. Menschen mit schlechtem Stoffwechselprofil hatten weniger verschiedene Bakterienarten im Darm. Ihre Darmflora konnte Ballaststoffe schlechter in gesunde Fettsäuren umwandeln. Eine wichtige davon ist die Buttersäure, die Entzündungen hemmt.
Die gute Nachricht: Gene spielen für den metabolischen BMI eine kleinere Rolle als Lebensstil und Umwelt. Das bedeutet, Menschen können durch ihr Verhalten gegensteuern. „Der traditionelle BMI übersieht oft Menschen, die normalgewichtig sind, aber ein hohes Stoffwechselrisiko haben", erklärt Chakaroun. Der neue Index könne zu einer gerechteren Einschätzung des Krankheitsrisikos beitragen.
Die Forscher haben ihr Modell bereits vereinfacht. Statt über 1.000 Stoffwechselprodukte reichen nun 66 Werte für eine zuverlässige Aussage. Das macht den Test einfacher. Künftig wollen die Wissenschaftler das Modell weiter verbessern. Dr. Chakaroun wird ihre Forschung am Exzellenzcluster Leipzig Center of Metabolism fortsetzen.