Wer an Blutkrebs erkrankt, dem kann eine Stammzelltransplantation das Leben retten. Doch die Behandlung birgt Risiken. Bei bis zu jedem zweiten Patienten greifen die neuen Immunzellen nach der Transplantation den eigenen Körper an. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig haben nun eine Methode entwickelt, die diese gefährliche Nebenwirkung verhindern soll.
Bei der Stammzelltransplantation erhalten Patienten mit Leukämie oder anderen Blutkrebsarten gesunde Zellen von einem Spender. Zunächst werden die kranken Blutzellen zerstört. Dann siedeln sich die gespendeten Stammzellen im Körper an und bilden neue, funktionstüchtige Blutzellen. Das Problem dabei: Die mittransplantierten Abwehrzellen erkennen manchmal das Gewebe des Empfängers als fremd und bekämpfen es. Mediziner nennen diese Reaktion Graft-versus-Host Disease, kurz GvHD. Bis zu 50 Prozent aller Transplantationen führen zu solchen Abstoßungsreaktionen.
Gezielter Eingriff statt bremsende Medikamente
Bisher versuchen Ärzte, die Abstoßung mit Medikamenten zu unterdrücken, die das gesamte Immunsystem schwächen. Das hat Nachteile. Die Patienten werden anfälliger für Infektionen. Außerdem steigt das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt.
Das Fraunhofer IZI verfolgt einen anderen Weg. Die Wissenschaftler behandeln die Spenderzellen vor der Übertragung mit speziellen Antikörpern. Diese Antikörper blockieren ein bestimmtes Molekül auf der Oberfläche der Immunzellen, das CD4-Molekül. Dadurch werden genau jene Zellen gebremst, die die Abstoßungsreaktion auslösen würden. Das restliche Immunsystem bleibt aktiv und kann Krankheitserreger weiterhin bekämpfen.
Erfolgreiche Tests im Labor
Die Forschenden haben ihre Methode in experimentellen Laborversuchen getestet. Eine einzige Behandlung der Spenderzellen vor der Transplantation reichte aus, um die Abstoßungsreaktion über den gesamten Beobachtungszeitraum zu verringern. „Die Ergebnisse legen nahe, dass dieser Ansatz das Risiko einer akuten GvHD wirksam verringern kann und damit das Potenzial besitzt, die Therapiechancen für Patientinnen und Patienten zu verbessern", erklärt Prof. Stephan Fricke, der die Studie geleitet hat. Die endgültige Bewertung müsse jedoch in klinischen Studien erfolgen.
Die Leipziger Wissenschaftler bereiten ihre Methode nun für erste Tests an Patienten vor. In einer sogenannten Phase I/II-Studie soll sich zeigen, ob der Ansatz auch beim Menschen funktioniert und sicher ist. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal BLOOD veröffentlicht.
Die Originalpublikation gibt es hier.