Die Zahlen belegen klar: Die Menge an lokalen Niederlassungen von Kreditinstituten sinkt seit Jahren. Ein Grund hierfür ist die steigende Beliebtheit der Online-Direktbanken.Online-Direktbanken operieren im Gegensatz zu Filialbanken nur digital. Das Banking erfolgt über die bankeigene App oder den Browser. Bargeld kann über die EC- und Kreditkarte abgehoben werden. Meist stellen Direktbanken eine Kreditkarte kostenlos zur Verfügung, sodass Kunden mehr Optionen zur kostenfreien Bargeldverfügung als bei Filialbanken haben. Die rein digitale und nicht lokal gebundene Infrastruktur bringt den Direktbanken Kostenvorteile, die sie an die Kunden weitergeben, sodass die meisten Konten kostenlos sind. Der Trend zu einem Rückgang an Banken mit Zweigstellen ist seit Jahren zu beobachten. Online-Direktbanken sind ein entscheidender Faktor hierfür.
Zahlen bestätigen den Trend
Die Bundesbank schildert in ihren Pressenotizen vom März 2020 dieselbe Entwicklung. 2019 sei die Gesamtzahl der Kreditinstitute um 66 bzw. 3,7 % auf insgesamt 1.717 gesunken. Bereits 2018 war ein Rückgang um 2,2 % verzeichnet worden. Der Bundesbankvorstand Prof. Dr. Joachim Wuermeling verweist bei der fortschreitenden Reduzierung der Kreditinstitute auf den zunehmenden Wettbewerb und das veränderte Kundenverhalten als Gründe.
Worin sich der Trend zur zunehmenden Digitalisierung am meisten widerspiegelt, zeigt sich in der Quelle der Bundesbank vor allem in der Entwicklung der Anzahl inländischer Zweigstellen. Hiermit sind direkt die lokalen Niederlassungen der Banken, also der Filialbanken, gemeint. Deren Anzahl reduzierte sich 2019 um 1.220 bzw. 4,4 % auf 26.667. Betroffen von dieser rückläufigen Entwicklung des Filialnetzes waren sämtliche Sektoren des Kreditgewerbes:
- Sparkassen haben nun 525 Filialen weniger
- genossenschaftliche Filialen sanken um 471 in der Anzahl
- Kreditbanken reduzierten ihre Niederlassungen um 137
- Bausparkassen verringerten ihre Anzahl um 79 Niederlassungen (-69 bei privaten und -10 bei öffentlichen Bausparkassen)
Dass sich dieser Trend im Jahr 2020 fortsetzen wird, steht außer Frage. Als zentraler, die Digitalisierung beschleunigender Faktor, wird die Pandemie ihren Beitrag dazu leisten. Speziell bei den Kreditinstituten in Sachsen (Stand: Juli 2020) hinterließ die Corona-Krise Spuren, im Zuge derer Banken die Kredite ihrer Kunden stundeten. In Bezug auf das gesamte Kreditvolumen sei vor allem bei den Sparkassen aber lediglich ein Prozentbruchteil des Kreditbestands ausgefallen. Daher sei nicht mit einer Pleitewelle zu rechnen, aber die Direktbanken mit ihren günstigeren Kostenstrukturen haben in Krisenzeiten wie diesen durchaus ihre Vorteile, um zahlungsfähig zu bleiben.
