Wenn von gelebter Heimatverbundenheit die Rede ist, dann führt in Bernsdorf und Umgebung kein Weg an ihm vorbei: Karl Heinz Weigel, Chronist, Sammler, Organisator und seit November 2025 offiziell Träger der Auszeichnung „Ehrenamt des Monats“.
Die Würdigung durch Landrat Udo Witschas und Ehrenamtsbeauftragte Dunja Reichelt rückt einen Mann ins Licht, der seit Jahren dafür sorgt, dass ein fast verschwundener Ort nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verloren geht: Heide, jene ehemalige Bergbausiedlung, die heute nur noch in Fragmenten existiert.
Heide, einst Kolonie „Heye III“, entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zum industriellen Zentrum: Tagebau, Brikettfabrik, Arbeiterwohnungen – ein kleines, eng verwobenes Dorfleben. Doch nach der Stilllegung des Tagebaus und der Schließung der Brikettfabrik verschwand die Siedlung schrittweise von der Landkarte. Was bleibt, sind Erinnerungen – und ein Mann, der sie seit fast 20 Jahren festhält.
Karl Heinz Weigel hat über Jahrzehnte Fotos, Dokumente, Lebensgeschichten und Relikte des Ortes gesammelt. Er hat Chroniken geschrieben, Archive durchforstet, Zeitzeugen besucht und selbst Erinnerungen beigesteuert. Stück für Stück hat er damit ein beeindruckendes Gedächtnis für einen Ort geschaffen, von dem man heute ohne sein Wirken kaum noch wüsste.
Die Ehrung hebt genau diese passionierte Haltung hervor. Unter dem Motto „Erinnern, Bewahren, Erhalten“ gründete Weigel gemeinsam mit dem „Heide-Team“ eine mobile Fotoausstellung zur Geschichte der Siedlung, der Brikettfabrik und des Tagebaus. Sie war bereits an zahlreichen Orten zu sehen, ein rollendes Museum, das Menschen dort abholt, wo die Geschichte sonst vielleicht gar nicht mehr hinkommt.
Vorbild für’s Ehrenamt
Doch Weigels Engagement reicht weit darüber hinaus. Er organisiert Führungen durch den ehemaligen Ortsteil, der heute als „Lost Place“ viele Neugierige anzieht. Was Besucher dort erfahren, sind keine abstrakten Daten, sondern lebendige Geschichten, oft verbunden mit Weigels eigener Jugend.
Auch die Pflege der Erinnerungsorte ist Teil seiner Arbeit: Schautafeln, die „Straße der Besten“, gepflegte Rabatten, Bänke, ein markanter Findling – all das wird von ihm und inzwischen rund 15 Mitstreitern instandgehalten.
Besonders eindrucksvoll ist zudem das „Heide-Treffen“, das Weigel seit Jahrzehnten organisiert. Dieses Jahr kamen ehemalige Bewohner bereits zum 40. Mal zusammen, viele von ihnen weit über 80 Jahre alt, angereist aus allen Teilen Deutschlands. Dass diese Gemeinschaft heute noch existiert, ist zu großen Teilen sein Verdienst.
Landrat Udo Witschas brachte es bei der Auszeichnung auf den Punkt, wenn er feststellt: „Karl Heinz Weigel ist ein Hüter der Geschichte und ein Vorbild für ehrenamtliches Engagement in unserem Landkreis. Durch seine Arbeit sorgt er dafür, dass das Erbe von Heide lebendig bleibt und fördert den sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde Bernsdorf. Wir danken ihm und dem ‚Heide Team‘ für ihre wertvolle Arbeit.“ Auch Bürgermeister Harry Habel betonte die Bedeutung dieses Wirkens für die Identität der Region.
Mit der Ehrung „Ehrenamt des Monats November 2025“ wird gewürdigt, was lange offensichtlich war: Karl Heinz Weigel hält nicht nur Erinnerungen fest, er stiftet Gemeinschaft, Identität und Bewusstsein für die eigene Geschichte.