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Kein Ausschluss von Gästefans mehr

01.01.2017 von

Der Deutsche Fußball-Bund wird in Zukunft keine Gästefans mehr aus den Stadien ausschließen. DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärte dies nach einer Sitzung des DFB-Kontrollausschusses.
Der Ausschluss von Gästefans war in der Vergangenheit ein oft gewähltes Mittel, um Fußballfans eines Vereins für ein oder mehrere vorangegangene Fehlverhalten zu bestrafen. Der DFB sah dies bisher meist als "die letzte Warnung", bevor der betroffene Verein bei weiteren Verfehlungen seiner Anhänger ein Geisterspiel im eigenen Stadion aufgebrummt bekam.

Unberücksichtigt blieb bis zuletzt jedoch die Tatsache, dass mit einem solchen Ausschluss alle Fans des Vereins in ihrem Fanleben eingeschränkt werden. Obwohl meist nur ein kleiner Bruchteil dieser für die Verfehlungen verantwortlich sind. Unabhängig davon, wie jeder Einzelne über den Sinn und Unsinn von Bestrafungen durch den DFB denkt, eine differenzierte Betrachtung der Geschehnisse und zielorientierte Sanktionen wären in jedem Fall wünschenswert.
Das eigentliche Ziel sollte schließlich nicht sein, die Vereine und einen Großteil seiner Fans zu bestrafen, sondern die wirklichen Störer bloßzustellen und aus den Fanszenen auszugrenzen.
Der Konsenz darüber ist in Fußball-Deutschland mittlerweile getroffen. An der Umsetzung scheitert es aber zur Zeit noch. Sicherlich gibt es bei gewissen Themen, wie z.B. dem Umgang mit Pyrotechnik, Unstimmigkeiten zwischen den Fans und in Zukunft noch jede Menge Diskussionen. Es herrscht jedoch Einigkeit darüber, denjenigen das Handwerk zu legen müssen, welche den Sport nur als Bühne für die Auslebung ihrer Gewaltfantasien missbrauchen. Diesem Punkt wird mit dem aktuellen Strafmaß jedoch keinerlei Bedeutung zugeschoben. Es wird nicht differenziert, sondern pauschalisiert. Das dadurch auch der "ganz normale Fan" in seinem Fanleben zu Unrecht eingeschränkt wird, nimmt der DFB bisher einfach hin.

Fans unterstützen ihre Mannschaft auswärts - auch wenn der DFB entsprechende Verbote verhängt hat. Der DFB kann an den gastgebenden Verein lediglich die Auflage übermitteln, keine Karten an Fans aus der Stadt der Gastmannschaft zu verkaufen. Er hat aber kein Recht, Hausverbote für diese Fans auszusprechen. Und im Internetzeitalter ist es mittlerweile sehr einfach geworden, sich trotzdem Karten für das Spiel zu organisieren. Dann eben nicht für den Gästeblock.

Die vergangenen beiden Spieltage haben dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zuerst waren es die Anhänger der SG Dynamo Dresden, welche trotz Verbots im Frankfurter Stadion mit ca. 1000 Mann zugegen waren. Und dann waren es diese Woche Montag eben die Frankfurter, welche das Auswärtsspiel bei Union Berlin besuchten, obwohl sie es laut DFB nicht besuchen durften. Man munkelt, sie hätten über die Fans von Union die Karten erhalten.
Und hier erkennt nun endlich auch der DFB, dass die aktuelle Art der Bestrafungen nutzlos ist. Fans verschiedener Vereine unterstützen sich dabei, die Verbote des Verbandes zu umgehen. Einer größeren Lächerlichkeit kann sich der DFB doch gar nicht ausgesetzt fühlen.

Welche Alternativen sind aber sinnvoll und zielführend? Mit dieser Frage wird man sich in Zukunft beschäftigen müssen, wenn man nicht noch mehr Fanvereinigungen und Fans gegen sich aufbringen will.
Rainer Koch will für die Beantwortung dieser Frage auch Mitarbeiter der Vereine mit ins Boot holen. Wenn in dieses Boot zusätzlich noch Vertreter der Fans, Fanprojekte und Sozialarbeiter kommen, die die Hintergründe des Verhaltens Einzelnen besser einschätzen können als die Herren vom Verband, kann es einen Weg aus der jetzigen Sackgasse geben.

Habt ihr denn Voschläge, wie ein solcher Weg aussehen könnte?

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