Zehntausende Erntehelfer und Altenpflegerinnen sollen nach neuen Leitlinien der EU-Kommission möglichst freie Fahrt an den innereuropäischen Grenzen haben. Sie sollten wie Ärzte, Feuerwehrleute, Polizisten, Lastwagenfahrer, Beschäftigte der Lebensmittelbranche und einige andere Berufe als «systemrelevant» eingestuft werden, erklärte die Brüsseler Behörde am Montag. Für sie alle sollen an der Grenze spezielle Schnellverfahren eingeführt werden. Das schließe verhältnismäßige Gesundheitskontrollen ein.
Kommissionschefin Ursula von der Leyen verwies darauf, dass in der EU 1,5 Millionen Menschen in einem Staat leben und in einem anderen arbeiten. Wegen der Einführung von Grenzkontrollen und Reisebeschränkungen in der Corona-Krise hatten diverse Branchen Alarm geschlagen, unter anderem Bauern, die normalerweise Saisonarbeiter aus Osteuropa beschäftigen. Auch mehrere Hunderttausend Pflegekräfte aus den östlichen EU-Staaten arbeiten in westlichen Mitgliedsländern.
Von der Leyen verwies auf Beschäftigte, die jetzt akut im Kampf gegen das Virus gebraucht würden. Sie nannte das Beispiel von Klinikpersonal in Luxemburg, das meist in Frankreich und Belgien wohne und keineswegs wegen Grenzkontrollen Stunden zu spät kommen könne. Die Kommissionschefin betonte aber auch: «Wir brauchen Lebensmittel in den Geschäften und auf unserem Tisch.» Jene, die sie produzieren, müssten sich frei über die Grenzen bewegen können.