Tobias Goebel (47) lebt in Boston/Massachusetts, ist von Beruf Software-Marketing-Experte und betreibt den YouTube-Kanal Tesla Tobi. Es geht ihm vor allem um E-Mobilität, KI und Zukunftstechnologien. Er fährt seit vier Jahren mit seinem Tesla autonom und hat das System FSD (Full Self Driving - supervised) von Tesla jahrelang sehr genau geprüft. Die Ergebnisse seiner Tests veröffentlicht er auf seinem Kanal. Meißen News hat mit ihm gesprochen: Heute Teil 3 - Technologie wird uns retten.
Was denkst Du denn, um wirklich wirtschaftlich arbeiten zu können, was brauchst Du für eine Abonnentenzahl?
Also ich mache momentan fast 700 Dollar pro Monat. Die hatte ich schon im Dezember, dann habe ich den Fehler gemacht, zwei Wochen Weihnachtspause zu machen. Das bestraft der Algorithmus. Wenn ich mal Urlaub machen will, muss ich vorarbeiten, damit ich keine Lücke entsteht. Aber ich bin jetzt wieder bei den 700. Um hier in Boston gut zu leben, muss ich ungefähr das Zehnfache verdienen.
Ich habe mir erst mal ein Jahr gegeben. Jetzt nehme ich teil an Workshops. Da gibt es neulich um Mitgliederprogramme. Das habe ich jetzt neu aufgesetzt. Und prompt melden sich tatsächlich Leute, die werden Mitglied und sind dann bereit, zwei oder auch fünf Euro im Monat zu zahlen. Wie krass ist das? Also ich bin zuversichtlich, aber es wird sich zeigen, ob ich es schaffe. Wenn ich 10-mal soviel Abonnenten hätte wie gerade eben, dann könnte ich davon leben.
Das ist ein hartes Brot. Das geht uns Journalisten ähnlich. Sachsen.de ist eine lokale und regionale Newsplattform. Meißen News ist sozusagen ein lokaler Reiter innerhalb dieser Plattform. Wir produzieren jeden Tag so 8 bis 10 News aus der Region Landkreis Meißen. Dort leben etwa eine Viertelmillion Menschen. Wir schaffen im Jahr etwa eine Million Artikelaufrufe. Das klingt jetzt viel, aber sind es keine 100.000 im Monat, was ist das am Tag?
Habt ihr denn eine Möglichkeit, damit auch Geld zu verdienen? Schaltet ihr Werbung?
Ja, wir haben jetzt zwei Anzeigenkunden gewonnen, die Sparkasse Meißen und die Schwerter-Brauerei Meißen. Wir sind ihnen sehr dankbar. Es sind für uns große Anzeigenkunden, aber das war es dann auch schon, wir haben nicht mehr. Wir möchten unseren Content aber gern kostenlos anbieten, die Menschen im Landkreis informieren. Es ist ein schweres Geschäft. Wir sehen gerade den Niedergang des Print-Journalismus weltweit. Er ist, glaube ich, zum Sterben verurteilt, es wird sehr schwer sein, dass man ihn noch am Leben erhält. Ich glaube in den USA, da siehst du niemand mehr mit einer Zeitung irgendwo sitzen.
Höchstens noch in Krankenhäusern, in Supermärkten zum Mitnehmen.
Ja, beim Arzt vielleicht noch. Die Printzeitungen verlieren jedes Jahr so zwischen fünf und zehn Prozent an Auflage. Manche noch mehr. Und das seit vielen Jahren. Da ist die Null nicht mehr weit. Die Verlage versuchen, gegenzusteuern, auch mit Websites, mit Plattformen oder auch mit E-Paper. Sie entwickeln sich auch positiv, aber sie gleichen natürlich die Print-Verluste nicht aus. Alle warten auf eine neue Erfindung, neue Hardware vielleicht, die den Trend umkehren könnte. Und Du bist auch Teil des Problems, viel Zeit der User fließt weg von den professionellen Medien hin zu Social Media.
Genau, ich bin ja mitschuldig. Leuten wie mich geht es um Aufmerksamkeit, um Eyeballs sozusagen, wie die Amis sagen. Die ziehe ich dann an mich und weg von anderen Plattformen. Das ist so.
Ja, die Aufmerksamkeit wird von Social Media aufgesaugt und geht weg von den klassischen Medien. Selbst vom linearen Fernsehen. Das ist Deine Chance.
Richtig, richtig. Ich trete noch mal einen Schritt zurück. Es gibt diese Kardaschow-Skala, die kursiert momentan. Kardaschow war ein russischer Astronom. Er hat sich eine Skala überlegt. Kardaschow 1 ist das Nutzen aller Energie-Ressourcen des Planeten. Das haben wir noch nicht mal geschafft. Wir stehen angeblich bei 0,7 und nutzen etwa nur 16 Prozent der Energie der Erde. Kardaschow 2 nutzt alle Ressourcen der Sonne und Kardaschow 3 der Galaxie. Kardaschow 4 nutzt die Energie des gesamten Universums, das wird theoretisch. Ich setze mir zum Ziel, bis zu meinem Lebensende mitzuhelfen, dass die Menschheit Kardaschow 2 erreicht. 100 Prozent der Energie der Sonne anzapfen zu können, nutzen zu können. Elon Musk ist auf diesem Weg. Plötzlich schafft eine einzelne Firma das, was bisher nur Regierungen schafft, sich leisten konnten. Das ist schon mal Wahnsinn. Dann hat er gesagt, ja, okay, was kann ich denn noch machen? Transportwesen. Elektrik. Okay, ich baue die gesamte Automobilwirtschaft um in Richtung Elektrik. Hat er geschafft. Dann zu viel Verkehrstote, dagegen intelligente Systeme, Roboter, das ist eine gute Idee. Fangen wir erstmal an mit Roboter mit Rädern. Ich baue ein selbstfahrendes Auto. Hat er geschafft. Das kann ich jetzt als jemand, der das seit Jahren testet, bestätigen. Das Problem ist gelöst. Dann sagt er sich, ja, okay, jetzt haben wir also einen rollenden Roboter. Das nächste ist ein menschlicher Roboter, der die Fähigkeiten eines Menschen hat, insbesondere von den Händen her, die Dexterität. Das ist Optimus. Da ist er noch in den Anfängen. Auch das wird er schaffen. Ich meine, der Mann hat mittlerweile so viel erreicht, dass man schon sehr ignorant sein muss, wenn man ihm jetzt noch irgendwas nicht zutraut. Dann ist man - glaube ich - einfach dumm.
Aber warum trauen so viele es ihm nicht zu?
Ich weiß es nicht. Der Mensch ist eifersüchtig. Alle wollen immer Erfolg, aber wenn dann jemand Erfolg hat, dann ist es wieder zu viel. Dass es keine Milliardäre geben darf, finde ich total ein Quatsch. Elon Musk sagt, es wird in unserer Lebenszeit noch eine Zeit geben, in der Roboter so gut sind, praktisch 80, 90, 95 Prozent aller Arbeit verrichten, die wir als Menschen momentan machen. So, was ist denn, wenn das stimmt? Was ist denn, wenn wir Milliarden Roboter produzieren können, die tatsächlich so gut sind, dass sie zum Beispiel besser sind als alle, besser sind als der beste Neurochirurg auf der Welt. Besser als der beste Handwerker.
Dann müssen wir irgendetwas Neues finden, was Kreatives. Dann werden wir alle Schriftsteller oder Maler.
Ich glaube, dass das kommen wird, ich glaube daran. Ich bin überzeugt, dass das passieren wird, allerdings nicht so schnell wie Elon Musk denkt. Wenn es eins gibt, was er nicht kann, dann ist es den Zeitrahmen richtig einzuschätzen. Er sagte zum Beispiel vor ein paar Wochen, in drei Jahren ist mein Roboter so weit, dass er besser ist als jeder Neurochirurg. Sorry, nee, das wird nicht passieren. Aber in sechs bis zehn Jahren kann das passieren. Es gibt plötzlich mehr Vermögen auf der Welt, es gibt Ressourcen, die müssen neu verteilt werden. Das Vermögen wird neu verteilt und es wird, manche nennen das Universal Basic Income und Musk nennt das mittlerweile Universal High Income, kein Grundeinkommen sein, sondern ein hohes Einkommen für jeden. Jeder hat praktisch materiell ausgesorgt.
Damit sind doch die Träume der alten Sozialisten erfüllt. Über einen kapitalistischen Umweg.
Reichtum für alle. Über den Zwischenschritt des Kapitalismus hin zum Traum des Sozialismus. Das ist die Ironie der Geschichte. Natürlich kann es Bürgerkriege geben, es wird Kämpfe geben, bis wir dort angekommen sind. Aber ganz ehrlich, und da können mich jetzt einige für naiv halten: ich bin 47, in 20 Jahren habe ich das Renteneintrittsalter erreicht, dann habe ich Zugriff auf meine Rentenpläne. Ich muss mich also noch 20 Jahre sozusagen über Wasser halten. Ich stehe dank Tesla auf dem Aktienmarkt ganz gut da. Deswegen kann ich mir jetzt auch erlauben, mal ein Jahr lang gar keinen Job zu haben und zu versuchen, was Eigenes aufzubauen. Ich muss also zum Beispiel jetzt nichts mehr zurücklegen, ich muss nur noch überleben in den nächsten 20 Jahren, ich muss nichts mehr ansparen, ich habe genug gespart. Wenn ich es schaffe, mich so lange über Wasser zu halten, bis wir tatsächlich das erste hohe Grundeinkommen bekommen, ohne Gegenleistung, dann habe ich es geschafft. Es wird bestimmt keine 20 Jahre brauchen.
Das ist eine mögliche Version der Zukunft.
Das sind ja auch die Themen, die mich interessieren. Es ist hochgradig spannend, wir leben in einer so krassen Zeit. Viele denken immer, es war noch nie so schlimm wie heute, das stimmt aber nicht. Kindersterblichkeit, Lebensdauer, es ging uns doch nie so gut wie heute. Nur wir kriegen mehr mit von dem Elend der Welt. Aber gleichzeitig beseitigen wir auch immer mehr Elend. Ich blicke positiv in die Zukunft wegen der Aussicht auf eine Wirtschaft im Überfluss, Economy of Abundance, die uns blüht, wenn wir es schaffen, die Technologie so weit zu treiben, dass sie wirklich produktiv arbeiten kann und dadurch zumindest alle Güter erstellen kann, die wir brauchen. Und dann geht es darum, dass wir uns andere Gründe suchen, die das Leben lebenswert machen. Ob es jetzt etwas Kreatives ist oder man arbeitet einfach weiter, weil es Spaß macht.
Aber das machst Du doch auch, Du arbeitest doch auch, weil Dir Spaß macht, oder?
Ja klar, aber ich brauche das auch noch zum Überleben. Hier in Amerika arbeiten viele noch bis ins hohe Alter, weil sie das müssen. Aber es gibt auch Leute, die sagen, ich bin 70 Jahre oder 75, ich packe hier Tüten im Supermarkt ein, weil sonst säße ich nur auf der Couch zu Hause und würde eingehen. Da bin ich lieber hier unter Leuten. Das ist doch okay. Das werden wir alle tun, wenn das Grundeinkommen mit Überfluss kommt.
Interview: Ulf Mallek