Jetzt ist es da. Am Donnerstag wurde das restaurierte historische Löwenportal an seinem neuen Standort im Rathaus der Stadt Meißen feierlich eingeweiht. Das teilte die Stadtverwaltung mit.
Das aus Sandstein gefertigte Renaissanceportal von 1610 wird dem Bildhauer Melchior Kuntze zugeschrieben und stammt ursprünglich vom Treppenturm des Wohnhauses am Jahnaischen Freihof. Dort ist heute eine Kopie des Portals eingebaut. Mit seinen vollplastischen Löwen, dem wappengeschmückten Schlussstein und den manieristischen Schmuckformen gilt es als eines der schönsten Renaissanceportale der Stadt. Bereits 1917 wurde es erstmals in der Fachliteratur erwähnt. Der Architekt und Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt würdigte es als „Perle unter den Renaissancetoren Meißens“.
Nach einer wechselvollen Geschichte aus Rückbau, Einlagerung, Restaurierung und jahrzehntelangem Vergessen hat das Originalportal im Rathausfoyer gegenüber dem Standesamt nun einen dauerhaft zugänglichen Standort mit musealem Charakter erhalten. „Unser wertvolles historisches Erbe für künftige Generationen zu wahren und auch in Zukunft erlebbar zu machen, ist für uns eine zentrale Aufgabe, besonders mit Blick auf das Festjahr 1100 Jahre Meißen“, so Oberbürgermeister Markus Renner. „Mein herzlicher Dank gilt deshalb allen, die ihr Wissen und Können für den Erhalt und die Ausstellung dieses Kulturdenkmals eingebracht haben.“
Zu ihnen zählt unter anderem der Restaurator Christian Heerklotz. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit „Das ursprüngliche Löwenportal des Jahnaischen Freihofes in Meißen“ aus dem Jahre 2022 schuf er eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Suche nach einem neuen Standort. Die statische Umsetzung begleitete der ehemalige Rathausstatiker Lutz Heinicke.
Blick in die bewegte Vergangenheit des Löwenportals: Ab 1951 entschieden sich das Institut für Denkmalpflege in Dresden gemeinsam mit der Wohnbauverwaltung Meißen und dem Archiv der Stadt, was die Zukunft des Löwenportals anging, mehrfach um. So sollte das Portal zunächst instandgesetzt, dann zurückgebaut und schließlich eingelagert und neu gefertigt werden. „Die Beweggründe dafür lassen sich heute nicht mehr feststellen“, erzählt Stadtarchitektin Katja Lamnek.
1962 wurde der Bildhauer Werner Hempel erst mit der Restaurierung und dann mit der Neuanfertigung einer Kopie des Portals beauftragt. Mit dem Ausbau des Originalportals 1964 und der anschließenden Einlagerung im Stadtmuseum wird die Stadt Meißen dessen Eigentümer. Eine museale Verwendung war da bereits angedacht, geriet aber im Laufe der Jahre wieder in Vergessenheit. Ein fehlender Eintrag in der Inventarliste des Stadtmuseums und das Elbhochwasser 2013 führten dazu, dass das ursprüngliche Löwenportal zwischenzeitlich auf dem Gelände der Firma "Vogt Naturstein und Denkmalpflege" lagerte.
Erst mit der Projektarbeit des angehenden Steinmetzes Christian Heerklotz nahm die Standortsuche wieder an Fahrt auf. So gelangte das Portal Ende 2025 dank ihm und zahlreicher weiterer Unterstützer ins Rathaus. Insgesamt rund 22.000 Euro hat die Stadt in Prüfstatik, Lagerung, Aufstellung und die konstruktive Sicherung des Portals mittels einer Stahlkonstruktion investiert.