So voll ist es in Meißen an keinem anderen Wochenende. Ein Vorwärtskommen durch den Eingang an der Elbstraße zum Markt dauert am Eröffnungsabend gefühlt eine halbe Stunde. Die Menschen mit Weinglas (der Schoppen kostet etwa 6 bis 8 Euro) und Brezel in der Hand, gebrannten Mandeln und ein Smartphone zum Fotografieren machen einen glücklichen Eindruck. Ja, sie kommen heraus aus ihren Häusern, mit der S-Bahn aus Dresden und die Jugend ist ganz vorn mit dabei. Das Wetter ist so perfekt wie selten: Kein Regen und auch abends braucht man keine Jacke.
Zum ersten Mal gibt es eine Eröffnung ohne Weinmajestäten, die sonst mit dem Boot der DLRG aus Radebeul gekommen wären. Aber in diesem Jahr fiel ja die Weinköniginwahl mangels Kandidatinnen aus. Vermutlich wird es auch nie wieder eine geben, oder doch?
Alle, die Rang und Namen in der Stadt haben, treffen sich 20 Uhr im Kreuzgang am Kleinmarkt. Dichtes Gedränge. Am Eingang steht der Oberbürgermeister Olaf Rasche in Anzug und mit Krawatte und strahlt. Hat er die Wahl gewonnen? Nicht direkt, aber sein Stellvertreter. Grund genug zum Strahlen. Denn jetzt wartet auf ihn die Pension und viel freie Zeit. Zum Reisen vor allem sicherlich. Der Wahlsieger selbst, Markus Renner, kommt mit Frau und Kleinstkind und übt sich im Smalltalk mit dem Landrat Ralf Hänsel. "Wir verstehen uns", sagt er. Weshalb er mit einer Spiegel-Redakteurin spazieren gegangen ist, aber der Heimatzeitung kein Interview gab, erklärt Renner so: "Sie waren am Montagmorgen die ersten. Alle anderen Interviewwünsche danach, auch von überregionalen Medien, habe ich abgelehnt." Er möchte erst einmal ins neue Amt kommen. Das wird Ende Oktober soweit sein.