Silvester hat es auch im Landkreis Meißen wieder geknallt und geböllert, als gebe es kein Morgen mehr. Viele finden das toll, und halten an der Tradition fest. Andere sorgen sich um ihre Haustiere oder sehen darin eine reine Geldverschwendung. Die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge nimmt das zum Anlass, über Social Media eine Frage zur Diskussion aufzuwerfen: Wer böllert, kann auch Wehrdienst?
Immerhin erhielt sie darauf bis Freitagmittag 124 Kommentare. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so Jens Hoffmann. Er war drei Jahre freiwillig bei der NVA und habe nichts im Sinn mit Böllern oder Böller kaufen. Außerdem könne er sich Böller nicht leisten mit seiner kleinen EU-Rente. Da schaue er lieber hinterm Fenster an, wie seine neuen Nachbarn draußen sehr lange böllern. Der AfD-Stadtrat Rene Jurisch sieht es ähnlich: "Dämlicher Vergleich." Nancy Zarske sieht das differenzierter: "In diesen schwierigen Zeiten ist der Wehrdienst mit einem anderen Auge zu betrachten. Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Übrigens, mein Sohn will seit 10 Jahren Berufssoldat werden, was ich ihm aber ständig auszureden versuche, weil ich ihn nicht in einer Holzkiste zurückbekommen möchte, ich stoße da leider auf taube Ohren. Bedauerlicherweise ist die Bundeswehr sehr eingebildet und hochnäsig gegenüber jungen Männern, die früher mal nicht so fleißig in der Schule waren. Er somit keine Chance bekommt. Vielleicht sollte man da auf den Willen schauen und nicht auf ein bescheidenes Schulabgangszeugnis."
Petra Bläsing sieht es so: "Wer traditionell böse Geister vertreibt, kann auch Menschen erschießen, könnte es übersetzt heißen, mit Ausrufezeichen. Ist das CDU-Meinung?" Grit Kutscher spitzt ihre Meinung zu: "Wer Fische füttert, kann auch spazieren gehen. Genauso absurd, dafür im korrekten Deutsch." Andrea Pohl schrieb einen längeren Post. "Besser wäre meiner persönlichen Meinung nach, eine Änderung des Grundgesetzes gewesen und eine Musterungspflicht für alle 18-jährigen zum Stichtag. Wir sehen wie spontaner Geschlechtswechsel beispielsweise in JVAs. Das wird auch bei der Musterung ein großes Thema werden. Aktuell von Wehrpflicht zu sprechen, finde ich unangemessen, weil es nicht der Wahrheit entspricht. Jedoch sollte ein soziales Jahr für alle Schulabgänger verpflichtend sein."
Katharina Kretschmer versucht eine umfassende Analyse: "Ich glaube, viele der unter 18-Jährigen stehen dem Thema Böllern viel kritischer gegenüber als es die CDU/CSU sich denkt. Was sind denn Themen der jungen Generation? Umweltschutz, Tierwohl und ein gesunder Lifestyle, Themen, bei denen sich die bekannten Gesichter der Partei nicht gerade positiv hervortun (Grüße gehen raus nach Bayern). Ich meine gelesen zu haben, dass immer weniger Jugendliche bei Tabak und Alkohol zugreifen, warum sollten sie also gerade zu Böllern greifen?"
Daniela Kuge erklärt noch einmal die Rahmenbedingungen für den Wehrdienst: Der Verdienst beim freiwilligen Wehrdienst (FWDL) bei der Bundeswehr liegt aktuell bei rund 2.600 € brutto monatlich für den Einstiegsdienstgrad (z. B. Schütze, Flieger, Matrose), mit steigenden Beträgen bei Beförderungen. Dazu kommen kostenfreie Leistungen wie Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung sowie Steuerfreiheit für einen Teil des Gehalts und Sachbezüge, was den Nettolohn erhöht.
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