Der Cellist und Festivalchef Jan Vogler sieht das Publikum in der Corona-Krise hungrig auf Live-Konzerte. Derzeit kann er sein renommiertes Moritzburg Festival für Kammermusik trotz Hygieneauflagen fast unter Normalbedingungen leiten: Alle Konzerte finden auf der Nordterrasse von Schloss Moritzburg unter freiem Himmel statt und stießen bisher auf ein begeistertes Publikum. «Moritzburg ist ein Hoffnungsschimmer. Und es ist für Musiker und Publikum gleichermaßen eine Art Therapie», sagte Vogler im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: «Die Musiker spielen sich das Herz aus dem Leib, weil sie zum Teil schon seit Monaten nicht mehr aufgetreten sind. Das ist eine sehr glückliche Situation. Die Aussicht auf den Herbst ist aber alles andere als das.»
Vogler, der in New York und Dresden lebt und weltweit als Solist bei bekannten Orchestern auftritt, verwies auf die Situation in den USA. Dort hätten alle Orchester bis Januar 2021 den Spielbetrieb eingestellt. «Auch der Broadway spielt nicht mehr. Dort haben viele Musiker der Freien Szene ihr Geld verdient.» Im Tourneebetrieb gebe es einen kompletten Shutdown: «Viele haben Existenzängste. Vor allem für junge Musiker ist die Lage bedrohlich. Es herrscht völlige Ungewissheit. Es gibt nur die Gewissheit, dass alle Auftritte abgesagt sind.» Deshalb werde Moritzburg auch als Lichtblick empfunden und finde Resonanz: «Die Fotos von Moritzburg gehen um die Welt, weil das augenblicklich nicht die Normalität ist.»