Golden glänzt die Kuppel der Sophienkathedrale. Prunkvoll hebt sich das Bauwerk aus dem 11. Jahrhundert in Kiew empor. So sieht die Sophienkathedrale, ein Welterbe der Unesco, auf Bildern aus. Doch sie ist bedroht. Auf der europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Denn seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sind viele der dortigen Kunstwerke zerstört oder beschädigt worden. Laut der UN-Kulturorganisation Unesco waren bis Ende Oktober 567 Kulturstätten vom Krieg beschädigt. Die ukrainische Seite spricht von mehr als 2.000 betroffenen Einrichtungen. Johannes Nathan, Vorsitzender des Ukraine Art Aid Center, unterstützt seit Kriegsbeginn mit seinem Team Kulturstätten in der Ukraine dabei, ihre Schätze in Sicherheit zu bringen. Am Freitag spricht er in Leipzig mit Fachleuten aus Polen und der Ukraine darüber, wie Kulturgüter im Krisenfall geschützt werden können. Bislang hat das Team des Ukraine Art Aid Center nach eigenen Angaben mehr als 1.200 Kultureinrichtungen in der Ukraine unterstützt; zum Beispiel Luftentfeuchter und Verpackungsmaterial geschickt, damit Kunstwerke in sonst feuchten Räumen wie Kellern gelagert werden können. Auch Vakuumtische haben die Helfer schon in die Ukraine gebracht. Damit lässt sich Unterdruck herstellen, was beim Restaurieren von Kunstwerken hilft, wie Kunsthistoriker Nathan erläuterte. Aber auch vermeintlich banale Dinge wie Regale liefert das Ukraine Art Aid Center, damit Museen ihre Kulturschätze effizienter lagern können. Alles lässt sich jedoch nicht schützen. Im Juni geriet das Kiewer Höhlenkloster infolge des Krieges in Brand. Für viele Menschen in der Ukraine sei das «wie ein Stich ins Herz» gewesen, sagte Nathan. Manche Künstler gehen mit Beschädigungen offen um. Der ukrainische Maler Petro Antyp verzichte zum Beispiel auf eine Restaurierung seines vom Krieg beschädigten Kunstwerks «Kosmogonie» im Korsak-Museum in Luzk. Große Bauwerke hingegen ließen sich kaum schützen, sagte Experte Nathan. Die Sophienkathedrale, ein «Ensemble aus dem 11. Jahrhundert mit fantastischer Sakralität», sei aber bislang im Krieg noch weitestgehend verschont geblieben. Gleichwohl sei es schon zu Schäden durch Erschütterungen und eine Druckwelle gekommen. Das besagte Höhlenkloster aus Kiew wurde in seiner Geschichte hingegen schon mehrfach getroffen - und wieder aufgebaut. Die Kathedrale zum Beispiel wurde 1941 im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst Ende der Neunzigerjahre wieder aufgebaut. Heute kooperiert das Ukraine Art Aid Center mit «Skeiron», einem Team aus Lwiw, das gefährdete Bau- und Kulturdenkmäler dokumentiert. Mit Hilfe von Laserscanning und Fotogrammetrie werden die Bauten digital erfasst, wie die Veranstalter der Messe in einer Mitteilung erläutern. Die Sophienkathedrale sei schon 2022 gescannt worden, teilt Yurii Prepodobnyi, einer der Gründer von «Skeiron», auf Anfrage mit. Nur etwa eine Woche habe man gebraucht, um das Gebäude mittels Lasertechnik digital zu speichern. Die Wandgemälde im Inneren hingegen würden derzeit noch digitalisiert. Im schlimmsten Fall könnten Daten wie die von der Sophienkathedrale für den Wiederaufbau von zerstörten Kulturdenkmälern genutzt werden, heißt es in einer Mitteilung der Leipziger Denkmalmesse. Aber auch in Friedenszeiten seien diese Projekte wertvoll. Durch 3D-Modelle könnten Kulturdenkmäler für Blinde durch Abtasten erfahrbar gemacht werden. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Restaurierung und Altbausanierung in Leipzig (5. bis 7. November) erfahren Besucher, wie Länder ihre Kultur auch im Kriegsfall bewahren können. Mit Vakuumtisch und Luftentfeuchter Kunstwerke beschützen
Zerstörte Kultur «wie ein Stich ins Herz»
Mit digitaler Technik den Wiederaufbau ermöglichen