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Warum auch der Kapitän das DEL-Schlusslicht Dresdner Eislöwen vorzeitig verlässt

Symbolbild Eishockey / pixabay Familyschaffner
Symbolbild Eishockey / pixabay Familyschaffner

Die Dresdner Eislöwen bestätigen den Wechsel von Kapitän Travis Turnbull nach Kaufbeuren. Turnbull (123 Pflichtspiele, 41 Tore, 40 Assists) war zentrale Führungsfigur. Klub nennt Kaderverjüngung als Grund und widerspricht dem Vorwurf eines Ausverkaufs.

Ist das ein Ausverkauf oder das Ergebnis aktueller strategischer Entscheidungen? Fakt ist, die Dresdner Eislöwen vermelden in der Olympiapause bereits den dritten aktuellen Abgang. Und es ist ein sehr prominenter. Kapitän Travis Turnbull wechselt mit sofortiger Wirkung zum Zweitligisten aus Kaufbeuren. Das vermeldete der Verein am Dienstag.

Zuvor hatte sich das abgeschlagene Schlusslicht der DEL bereits von Stürmer Andrew Yogan (34/Stavanger Oilers) und Verteidiger Tariq Hammond (32/Düsseldorfer EG) getrennt - jeweils im gegenseitigen Einvernehmen, wie es so schön heißt.

Turnbull war während der Saison 2023/2024 nach Dresden gewechselt und entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer zentralen Führungsfigur innerhalb der Mannschaft. In insgesamt 123 Pflichtspielen für die Blau-Weißen erzielte der Angreifer 41 Tore und bereitete weitere 40 Treffer vor. Als Kapitän prägte er das Team nicht nur sportlich, sondern war in der historischen Aufstiegssaison in die höchste deutsche Spielklasse auch hinter den Kulissen ein echter Team-Leader. In der DEL reichte es für den ältesten Spieler der Liga, der im Juli 40 Jahre alt wird, zumindest aus sportlicher Sicht nicht mehr - was Tempo und Durchsetzungsvermögen betrifft. In puncto Einsatzwillen machte dem Amerikaner allerdings kaum jemand etwas vor.

Turnbull passt nicht mehr ins Anforderungsprofil

Auch deshalb erinnert Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf vor allem an die herausragenden Momente mit dem nunmehrigen Ex-Kapitän. „Travis hat uns in der Saison 23/24 mit seinen starken Führungsqualitäten maßgeblich dabei geholfen, in der DEL2 zu bleiben und uns vor dem Abstieg bewahrt. Im darauffolgenden Jahr war er dann ein wesentlicher Bestandteil unserer Meisterschaftssaison. Für das, was er für die Dresdner Eislöwen geleistet hat, sind wir ihm sehr dankbar“, sagte er.

Offenbar haben sich die Eislöwen auch aus strategischer Sicht von Turnbull getrennt und ihm kein weiterführendes Vertragsangebot vorgelegt. „Im Zuge der laufenden Planung für die neue Saison haben wir gemeinsam Gespräche über seine sportliche und vertragliche Zukunft geführt. Dabei wurde klar, dass wir die neue Spielzeit mit einem verjüngten Kader fortsetzen möchten", verdeutlicht der neue Sportdirektor Jens Baxmann. Im Klartext: Travis Turnbull passt nicht mehr ins Anforderungsprofil des Vereins, der aller Voraussicht nach wieder in die DEL2 absteigen wird.

"Nach einem offenen und vertrauensvollen Austausch sind wir seinem Wunsch nachgekommen, sich frühzeitig sportlich neu zu orientieren und haben seinem Wechsel zugestimmt. Travis hat in Dresden große Spuren hinterlassen – dafür danken wir ihm und wünschen ihm alles Gute für seine neue Herausforderung in Kaufbeuren“, erklärt der Berliner.

Turnbull selbst, der mit seiner Frau Kasey und den gemeinsamen drei Töchtern Bradley, Bo und Bentley auch in Dresden gelebt hat, ist voll des Lobes über seinen Ex-Verein. „Ich bin unglaublich dankbar für meine Zeit in Dresden. Die Unterstützung der Fans, die Menschen im Club und die gemeinsamen Erlebnisse – besonders die Meisterschaft – werde ich niemals vergessen. Dresden wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Danke für alles“, wird der Amerikaner in der Pressemitteilung zitiert.

Dessen Können wird in Kaufbeuren offensichtlich honoriert. "Ich freue mich sehr, dass wir Travis Turnbull davon überzeugen konnten, uns im Kampf um den Klassenerhalt in der DEL2 zu helfen. Er ist ein Spielertyp, der immer vorangeht, sich auf dem Eis für nichts zu schade ist und immer 100 Prozent für die Mannschaft gibt. Von daher bin ich mir sicher, dass er uns dabei eine große Hilfe sein wird", sagt Kaufbeurens sportlicher Leiter Patrick Reimer über den Wechsel.

Eislöwen-Sportdirektor: Das ist kein Ausverkauf

Das Wort "Ausverkauf" im Zusammenhang mit der Personal-Fluktuation will Baxmann aber ausdrücklich nicht benutzen. "Ich kann verstehen, dass der Eindruck entsteht. Aber dem ist überhaupt nicht so. Wir trainieren mit vier Reihen, haben zwei junge Spieler, die wir jetzt noch lizensieren werden und sicher noch einsetzen werden. Es ist nicht so, dass wir die kommenden Spiele mit drei Reihen spielen", stellt der Sportdirektor klar. Noch sind acht Partien in der DEL zu absolvieren, mit 19 Punkten Rückstand auf den ersten Abstiegsplatz steht der Neuling als Absteiger de facto fest, auch wenn das theoretisch noch nicht durch ist. Allerdings haben die Eislöwen vor der Olympiapause deutlich formuliert, dass sie finanziell und personell für die DEL2 planen.

"In den letzten zwei, drei Wochen war sehr, sehr viel los, gefühlt haben ausländische Klubs und fast alle DEL2-Klubs angerufen, um nach sich nach hinten raus die eigenen Ziele zu erreichen. Zu 99 Prozent sind Berater, Spieler oder andere Klubs auf uns zu gekommen. Wir sind nicht aktiv geworden, um uns etwas schlanker zu machen, Geld sparen. Sicherlich ist das jetzt ein Nebeneffekt", sagt Jens Baxmann.

Für den übersichtlichen Rest der für die Eislöwen historischen und letztlich sportlich missratenen Saison schließt der 40-Jährige Ex-DEL-Profi eine Wettbewerbsverzerrung in der DEL aus. "Für die Jungs, die da sind, ist das jetzt eine gute Chance. Für die Spieler und auch für uns als Klub, um Erkenntnisse zu gewinnen. Der eine oder andere kann sich da beweisen", sagt Baxmann. Soll heißen, einige Eislöwen-Profis spielen noch um ein neues Arbeitspapier in Dresden. Im Gegensatz zu Turnbull. 

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