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Von Moskau nach Dresden ins eigene Modeatelier

11.10.2019 von

Foto: Elena Setzpfandt auf ihrer roten Ateliercouch (Bild: Thomas Wolf)
Irgendwie ist es spannend. Da bekomme ich eine WhatsApp von der Mutter eines Schulfreundes, die fragte, ob ich nicht einen Journalisten kennen würde. Natürlich fragte ich, worum es denn gehe. Nach ein paar Nachrichten war ich noch immer nicht schlauer, hatte aber die Telefonnummer einer Elena, die ich dann anrief. Sie erzählte mir im Telefonat einiges von sich und ihrem Atelier in Dresden Plauen.
Nunja, dachte ich während des Gesprächs: Am besten Du nimmst Dir die Zeit und fährst einfach mal hin, am Ende passiert noch etwas völlig Unerwartetes. Schließlich bin ich als Unternehmer nicht nur mit DieSachsen.de unterwegs, sondern mit Topolini.de auch im Baby-Geschenke-Business.

Elena Setzpfandt ist Russin und in Moskau geboren und als ich gestern ihren Laden in Dresden Plauen betrat, hörte ich sie mit einer Kundin auf Russisch reden. Als die beiden mich bemerkten, wechselten sie ganz automatisch die Sprache und redeten in Deutsch weiter. Faszinierend.


Während Elena noch ein paar Nadeln steckte, schaute ich mich etwas im Laden um und entdeckte direkt etwas, was auch zu Topolini.de passen dürfte – Kindermützen aus Baumwolle mit Ohrenklappen. Klingt erstmal banal, findet man aber tatsächlich nicht so häufig. Elena hat diese für ihren Sohn entworfen, weil sie nichts Vergleichbares finden konnte.Im hinteren Bereich stehen vor einer großen Fensterfront drei halbhohe Nähtische. Einen davon räumte Elena schnell frei, holte frischen Jasmin Tee, Weintrauben und ein paar Stückchen Mohnkuchen. Dieses schwarzgepunktete Gebäck war eher nicht mein Fall, dafür war aber der Tee ganz auf meiner Linie.

Sie erzählte mir von ihrer Kindheit und davon, dass sie bereits mit zehn Jahren wusste, dass sie Schneiderin werden wollte und dies, auch zum Leidwesen ihrer Mutter, immer wieder zeigte. Einmal mussten auch die teuren Gardinen dran glauben, weil sie sich einen neuen Rock nähen wollte. „Als Kind denkt man da einfach nicht so viel nach“, schmunzelt sie. Die Schneiderei war absolut ihr Ding gewesen. „Leider war es für mich in Moskau sehr schwer an Zeitschriften mit Schnittmuster zukommen, darum fing ich an eigene Muster herzustellen“, erklärte mir Elena. Ähnlich wie in der DDR gab es auch im damaligen Russland nicht immer alles. Für Elena änderte sich das, als sie 1989 in Moskau mit dem Studium begann. Jetzt gab es (staatlich organisiert) alles was die Studentinnen und Studenten für den Abschluss als „Entwicklungsingenieur für Bekleidung“ benötigten.

Der Liebe wegen zog Elena 1995 von Moskau ins thüringische Schmölln und fand dort auch eine Anstellung als Schneiderin. Später gründete sie dann ihre erste kleine Firma in Hohenstein-Ernstthal. Sie arbeitete mit verschiedenen Designerinnen zusammen und hat damals auch den einen oder andere Designpreis gewonnen. Seit 2016 lebt und arbeitet Elena nun in Dresden. „Mein Papa wollte immer, dass ich ein eigenes Modeatelier eröffne. Ich war mir jedoch nicht so sicher, auch wegen der Sprache. Aber er hat immer gesagt, dass ich das schaffe. Naja, und nun habe ich ein Modeatelier in Dresden Plauen.“ Fast zwei Jahre hat sie nach einem geeigneten Ladengeschäft gesucht. Der entscheidende Tipp kam dann aus der russischen Community in Dresden, die für Elena wie eine kleine Familie ist. „Irgendjemand kann immer irgendwie helfen“, sagt sie.

Ich fragte sie nach einem typischen Kunden. Den gebe es nicht, denn rund 80 Prozent ihrer Kundschaft hat keine Figur von der Stange. „Hier reizt es mich besonders bei der Maßkleidung die störenden Stellen zu kaschieren“, erklärt Elena mit einem kleinen funkeln in den Augen.
Wir sprachen auch über das Thema Nachhaltigkeit und das Reparieren von Kleidung. Ich erzählte ihr von meiner Lieblingsjeans, die nach 18 Jahren und vielen Schneidereibesuchen dann doch meinen Kleiderschrank verlassen musste.  Elena sagt: „Seit zwei Jahre merke ich stark, dass die Menschen wieder mehr selbst nähen und reparieren wollen. Sie scheinen nach und nach zu merken, dass die synthetischen Fasern nicht so gut sind und zu schnell kaputt gehen. Natürlich kommen auch Kunden zu mir, die ihre ehemaligen Lieblingsstücke aus dem Keller gerettet haben und wieder aufpeppen wollen.“ Aufgrund dieser Nachfrage bietet sie mittlerweile Nähkurse für Kinder ab acht Jahren an, um ihnen die Basics des Nähens näher zu bringen. Für Fortgeschrittene wird es zukünftig auch Masterklassen geben. „Es kommen sogar Mädchen, die ihren Geburtstag hier im Atelier feiern, um gemeinsam beim Nähen eine wundervolle Zeit zu verbringen“, ergänzt sie.

Die Zeit war jetzt ganz schön fortgeschritten und irgendwie packte mich ein kleines Hüngerchen. Weintraube oder Mohnkuchen, Mohnkuchen oder Weintraube. Ich überlegte und entschied mich dann doch für den Kuchen, der mich geschmacklich wirklich positiv überrascht hat. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals so einen Mohnkuchen irgendwo gerochen geschweige denn gegessen zu haben.

Danke für Deine Gastfreundschaft, liebe Elena.

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Das Gespräch fand hier statt: MODEATELIER ELENA, Westendstraße 3, 01187 Dresden -Plauen weitere Info unter www.atelier-elena.com.

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