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Weniger Kinder, leere Kitas: Sachsen steuert auf tiefgreifenden Umbruch zu

In Sachsens Kitas werden deutlich weniger Kinder betreut als früher. (Symbolbild) / Foto: Patrick Pleul/dpa
In Sachsens Kitas werden deutlich weniger Kinder betreut als früher. (Symbolbild) / Foto: Patrick Pleul/dpa

In Sachsens Kitas werden deutlich weniger Kinder betreut. Auch Personal und Einrichtungen gehen zurück. SPD-Politiker warnen vor dem Wegfall von Bundesmitteln und fordern Unterstützung für Ostdeutschland.

Die Zahl der Kinder in sächsischen Kindertagesstätten ist deutlich gesunken. Im März 2025 wurden etwa 312.000 Kinder betreut, rund 7.500 weniger als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Landesamt mit. Auch die Anzahl der Einrichtungen nahm ab: Im März gab es 15 Kitas weniger und damit 3.050.

Minister: «Mit jedem Kind weniger verliert Sachsen etwas Zukunft»

«Mit jedem Kind weniger verliert Sachsen etwas Zukunft», kommentierte Kultusminister Conrad Clemens (CDU) die Zahlen. Er erwartet, dass bis 2040 rund 25 Prozent weniger Kinder an den Grundschulen sein werden. Diese Entwicklung zeige sich zuerst in Kinderkrippen und Kindergärten.

Clemens sagte weiter, dass durch die sinkenden Kinderzahlen Landesgelder frei würden. Diese Mittel werden bereits genutzt, um den Betreuungsschlüssel in Kindergärten zu verbessern. Künftig sollen auch Krippen profitieren: Dann sollen dort rund 210 zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung stehen.

Auch weniger Mitarbeiter in den Kitas

Die Statistik zeigt außerdem einen Rückgang beim Kita-Personal um etwa 2,4 Prozent binnen eines Jahres. Im vergangenen März arbeiteten demnach noch rund 43.000 Frauen und Männer in den Kindergärten und Krippen des Freistaats.

Chemnitz will 1.000 Kita-Plätze abbauen

Die Stadt Chemnitz kündigte zuletzt an, angesichts des demografischen Wandels etwa 1.000 Kita-Plätze abzubauen. Auch Zusammenlegungen von Einrichtungen werden dort erwogen.

SPD-Politiker warnen vor Wegfall von Bundesmitteln

Ostdeutsche SPD-Politiker warnen vor einem Wegfall von Bundesmitteln, wenn die Kinderzahlen weiter sinken. Sie fordern mehr Unterstützung, damit Einrichtungen und Arbeitsplätze erhalten bleiben.

«Es steht erneut ein Wegbrechen der Kita-Strukturen bevor», schrieben die für Kitas zuständigen Sprecher der SPD-Fraktionen aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in einem Forderungspapier, das an Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) gehen soll.

In dem Papier heißt es, die Kinderzahlen in Ostdeutschland gingen wegen des demografischen Wandels rapide zurück. «Das hat gravierende soziale Auswirkungen. Die gut ausgebildeten und vor allem jungen Fachkräfte bangen um ihre berufliche Zukunft», bemerkten die Sozialdemokraten.

Demografischer Wandel trifft den Osten mit Wucht

Während in vielen westdeutschen Regionen händeringend Fachkräfte für Kitas gesucht werden, trifft der demografische Wandel die ostdeutschen Länder bereits stark. Kinderzahlen sinken, Kita-Plätze bleiben frei, und an manchen Orten schließen Einrichtungen.

Die Ost-Flächenländer versuchen mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. Das kostet jedoch Geld. Die SPD-Politiker befürchten, dass sich die Lage ab 2027 verschärft, weil bisher Mittel aus dem Kita-Qualitätsgesetz des Bundes für die Verbesserung der Personalschlüssel und die Gewinnung von Fachkräften genutzt werden konnten. «Die vorgesehene Einstellung der Bundesmittel für diese Handlungsfelder ist nicht zu verantworten», erklärten sie.

Gesetzentwurf zur frühkindlichen Bildung steht an

Bildungsministerin Karin Prien hatte angekündigt, in diesem Jahr einen Gesetzentwurf zur frühkindlichen Bildung vorzulegen. In dem SPD-Papier heißt es dazu: «Der im Westen notwendige Ausbau von Plätzen und die Gewinnung von pädagogischen Fachkräften, um bestehende und künftige Rechtsansprüche abzusichern, kann nicht zulasten des Ostens umgesetzt werden.»

Längere Öffnungszeiten, qualifiziertes Personal

Die sozialdemokratischen Kita-Politiker in den ostdeutschen Flächenländern fordern weiterhin Mittel für Personal, für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und für längere Öffnungszeiten.

In ihrem Papier weisen sie auf Unterschiede zwischen Ost und West hin. Im Osten gebe es ein gut ausgebautes, flächendeckendes Kita-Netz, das vor allem ostdeutschen Frauen und Alleinerziehenden ermögliche, Beruf und Familie zu verbinden. «Denn im Osten arbeiten mehr Elternpaare und mehr Frauen in Vollzeit», schreiben die Sozialdemokraten.

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