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Aus für Minijobs? Vorstoß sorgt für Kontroverse in Sachsen

Aus für Minijobs? Vorstoß sorgt für Kontroverse in Sachsen
In der Gastronomie arbeiten viele Minijobber. (Symbolbild) / Foto: Sina Schuldt/dpa/dpa-tmn
Von: DieSachsen News
Minijobs bieten Vorteile für Beschäftigte und Arbeitgeber, doch der Sonderstatus könnte bald passé sein. Warum Gewerkschaften die Pläne begrüßen, viele Unternehmen sie aber mit Sorge sehen.

Gastronomie, Handel, Landwirtschaft: Viele Unternehmen in Sachsen setzen seit Jahren auf Minijobber, um Arbeitsspitzen zu bewältigen und Personal flexibel einsetzen zu können. Und vielen Menschen ermöglichen sie einen Zuverdienst als Nebenjob, zur Rente oder während des Studiums. «Das ist eine Win-win-Situation für beide Seiten», sagt Axel Klein vom Hotel- und Gaststättenverband und warnt vor einem Wegfall. Auch andere Branchen sehen entsprechende Pläne mit Sorge. Ganz anders bewertet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Vorstoß. 

Bei einem Minijob ist der Verdienst auf 603 Euro pro Monat oder 7.236 Euro im Jahr begrenzt. Der Arbeitnehmer zahlt keine Sozialabgaben, der Arbeitgeber eine Pauschale von etwas über 30 Prozent - inklusive Renten- und Krankenversicherung. Die Rentenkommission der Bundesregierung hatte jüngst vorgeschlagen, Minijobs regulär in die gesetzliche Rente einzubeziehen - Ausnahmen soll es nur noch für Schülerinnen und Schüler geben. 

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Fast 245.000 Minijobber in Sachsen

Fast 245.000 Beschäftigte fallen in Sachsen unter die Minijobregelung, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auf dpa-Anfrage informiert. «Minijobs ermöglichen vielen Menschen eine flexible Erwerbstätigkeit - ob als Ergänzung zur Rente, während des Studiums oder der Arbeitslosigkeit», erklärt Sprecher Frank Vollgold. Jeder fünfte Minijobber sei Rentner und für Arbeitslose könnten sie ein Sprungbrett in einen sozialversicherungspflichtigen Job sein. Den Angaben zufolge arbeiten die meisten Minijobber im Handel, dem Gastgewerbe und im Dienstleistungssektor. 

DGB-Landeschefin: Die soziale Absicherung ist miserabel

«Es ist gut, dass Minijobs abgeschafft werden sollen», betont DGB-Landeschefin Daniela Kolbe. «Die Löhne sind in der Regel niedrig, die Stundenzahl ist gedeckelt und die soziale Absicherung miserabel.» Minijobber verharrten häufig auf Dauer in der «Niedriglohnfalle» und seien oft schlecht im Alter abgesichert mit Blick auf die spätere Rente. «Damit laufen sie geradewegs in die Armutsfalle im Alter.» 

Es sei irritierend, dass in der Wirtschaft einerseits Teilzeitquoten kritisiert und ein falsches Bild von angeblich faulen Beschäftigten gezeichnet werde, andererseits aber Beschäftigte mit Minijobs und Miniarbeitszeiten weiter kleingehalten werden sollen, sagt Kolbe.

Minijobs seien beliebt und würden von Beschäftigten gezielt angefragt, erklärt dagegen René Glaser vom Handelsverband Sachsen. Denn sie böten die Möglichkeit, Arbeit in besonderem Maße mit individuellen Lebensumständen in Einklang zu bringen - etwa Studium, Familie oder die Pflege von Angehörigen. Ein wichtiges Argument für Minijobber sei auch der Lohn ohne größere Abzüge. Für Arbeitgeber seien Minijobs teurer als reguläre sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, betont Glaser. Aber sie böten eine zusätzliche Flexibilität im Personaleinsatz, etwa um Stoßzeiten im Einzelhandel abzupuffern oder längere Öffnungszeiten in einzelnen Filialen zu gewährleisten.

Landwirtschaft auf Saisonkräfte angewiesen

Minijobs seien in der Landwirtschaft unverzichtbar, konstatiert die Hauptgeschäftsführerin des Landesbauernverbandes, Diana Henke. «Landwirtschaft ist in hohem Maße saisonal geprägt.» Gerade zur Ernte - etwa von Spargel, Beeren und Obst - brauche es viele Arbeitskräfte. Unter den Minijobbern seien viele Rentner, die ihre Rente aufbessern. «Eine Abschaffung von Minijobs würde aus Sicht des Berufsstandes erhebliche negative Folgen haben», warnt sie. «Betriebe hätten deutlich weniger Möglichkeiten, kurzfristige und saisonale Personalengpässe auszugleichen.» Die Folge: steigende Arbeitskosten, mehr organisatorischer Aufwand und sinkende Wettbewerbsfähigkeit besonders bei arbeitsintensiven Kulturen.

Dehoga warnt vor weniger Service und höheren Preisen 

Im Hotel- und Gaststättengewerbe seien etwa die Hälfte der Beschäftigten Minijobber. Würde der Sonderstatus für Minijobs wegfallen, lohne sich diese Arbeit für viele Beschäftigte nicht mehr und auf die Betriebe kämen höherer Aufwand und zusätzliche Kosten zu, warnt Axel Klein vom Dehoga Sachsen. Die Folgen bekämen auch die Gäste zu spüren: Service müsste eingeschränkt und Preise erhöht werden. Gerade in der Gastronomie brauche es viel Flexibilität beim Einsatz von Personal. Als ein Beispiel verwies Klein auf die Biergärten, in denen die Nachfrage und der Personalbedarf stark mit dem Wetter schwanke.

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