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Braun oder grün? Zwei geheime Systeme steuern das Leben im Waldboden

Springschwänze, wie dieses Tier aus der Gattung Sminthurinus, halten mit vielen weiteren Bodentieren, das Ökosystem Boden am Laufen. © Clément Schneider
Springschwänze, wie dieses Tier aus der Gattung Sminthurinus, halten mit vielen weiteren Bodentieren, das Ökosystem Boden am Laufen. © Clément Schneider

Senckenberg-Forscher aus Görlitz zeigen: Tropische und gemäßigte Wälder nutzen Energie völlig unterschiedlich. Regenwürmer spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Unter jedem Schritt durch den Wald wuselt es. Regenwürmer graben Gänge, Springschwänze knabbern an Blättern, Fadenwürmer jagen durchs Erdreich. Was nach chaotischem Gewimmel aussieht, folgt klaren Regeln. Ein internationales Forschungsteam um Prof. Anton Potapov vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz hat diese Regeln nun erstmals systematisch beschrieben. Die Wissenschaftler untersuchten, wie Energie durch die Böden verschiedener Wälder fließt.

Die Forscher sammelten zwischen 2013 und 2021 an 32 Standorten Daten. Von der südlichen Taiga in Russland über deutsche Wälder bis zu tropischen Regenwäldern in Indonesien und Vietnam zählten sie Bodentiere, maßen ihre Größe und analysierten ihre Ernährung. Daraus berechneten sie, wie viel Energie durch die unterirdischen Nahrungsnetze strömt. "Der Energiefluss hängt dabei eng mit deren Artenvielfalt und Funktionsfähigkeit zusammen", erklärt Potapov. Was die Wissenschaftler fanden, waren zwei grundlegend verschiedene Systeme.

Braun gegen Grün

In gemäßigten Wäldern wie in Sachsen dominiert das "braune" System. Hier sammeln sich abgefallene Blätter am Boden. Pilze und Bakterien zersetzen diese Streu langsam, Bodentiere ernähren sich hauptsächlich davon. Die Energie fließt gemächlich.

Anders in den Tropen. Dort herrscht das "grüne" System vor. Blätter werden so schnell abgebaut, dass kaum Streu liegen bleibt. Die Bodentiere müssen auf frische Pflanzen, Totholz oder schwer abbaubare Bodensubstanz ausweichen. "Unabhängig davon fließt in den Tropenwäldern aber immer mehr Energie als in gemäßigten Wäldern", sagt Potapov.

Regenwürmer spielen wichtige Rolle

Überraschend war auch die Verteilung der Biomasse. In den Tropen konzentrieren sich Masse und Energie vor allem bei großen Tieren. Es gibt mehr Räuber-Beute-Beziehungen und mehr Pflanzenfresser. In fast allen Wäldern stellen Regenwürmer den größten Teil der Biomasse. Diese Tiere verändern den Boden selbst und beeinflussen damit das gesamte Nahrungsnetz.

"Wir bezeichnen sie daher zusätzlich auch als Nahrungsnetz-Ingenieure", ergänzt der Görlitzer Forscher. Die Studie zeigt, dass Temperatur und Stoffwechsel die geografischen Muster bestimmen. Lokal können aber einzelne Schlüsselarten wie der Regenwurm alles verändern.


Originalpublikation:
Publikation: Potapov, A.M., Semenyuk, I., Bluhm, S.L. et al. Energy and biomass distribution in soil food webs of temperate and tropical forests. Nat Commun 17, 417 (2026). 

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