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Wie ich ganz autonom mit einem Tesla durch Berlin fahre

Der blaue Streifen zeigt an, FSD arbeitet. Foto: Ulf Mallek
Der blaue Streifen zeigt an, FSD arbeitet. Foto: Ulf Mallek

Tesla bietet noch bis Ende März in Deutschland Testfahrten mit seinem System FSD an. Das fährt ganz von allein, aber noch überwacht durch einen Fahrer.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und Tesla ist sehr vorsichtig. Wer sich für eine Fahrt mit dem autonomen System FSD (Full Self Driving - supervised) anmelden möchte, der muss akzeptieren, dass er den Fahrer weder fotografieren noch mit ihm sprechen darf, solange seine Handy-Kamera läuft. Auch von außen darf ich das weinrote Model 3 nicht fotografieren. "Wir haben schon erlebt, dass wir von anderen Fahrzeugen verfolgt und gefilmt wurden", sagt Thomas, mein Fahrer. Er ist natürlich kein Fahrer, sondern sitz nur auf dem Fahrersitz. Ohne das Lenkrad zu berühren. Fahrer ist die KI.

Ein bisschen verrückt ist es schon, fast 200 Kilometer nach Berlin zu fahren und wieder 200 Kilometer zurück, nur um 30 Minuten autonomes Fahren zu erleben. Dabei ist das eigentlich gar kein so großes Erlebnis. Wir starten vom Hof des sehr nüchtern gehaltenen Tesla Centers in einem Gewerbegebiet in Berlin-Schönefeld. Der Tesla fährt los. 30 sind erlaubt, er pendelt sich bei 32 ein. An einer gleichberechtigten Kreuzung kommt ein Laster von rechts. Noch weit weg, aber ein sehr vorsichtiger Mensch hätte vielleicht sogar gebremst. Der Tesla nicht, er rollt souverän über die Kreuzung. Auch die Angst vor Fußgängern, die von US-Youtubern in der Vergangenheit oft thematisiert wurde, ist mit den neuen Softwareversionen augenscheinlich verschwunden.  Der Tesla fährt an den Fußgängern ruhig vorbei. Im Zweifel lässt er ihnen den Vortritt, aber ohne übertriebene Vorsicht.

Ich fahre selbst einen Tesla. Doch der dort verbaute Autopilot hält keinen Vergleich stand. FSD ist eine neue Welt, und trotz allen Zweifels fast aller Experten, dass ein System, dass sich nur auf zehn Kameras verlässt, auf jeden Fall scheitern muss, fährt der FSD-Tesla wie ein sehr erfahrener Berufskraftfahrer. Wer es möchte, kann sich das alles auf Youtube anschauen: FSD fährt im Berufsverkehr im dichten Schneetreiben durch New York City, FSD rangiert sich aus einer engen Tiefgarage heraus, FSD fährt angstfrei in dichte Schneewehen und wieder heraus, FSD macht gleißendes Sonnenlicht nichts mehr aus und, und, und. Das alles aber nur in den USA. In Europa fehlen noch die Genehmigungen. In den Niederlanden wird jetzt eine Genehmigung erwartet, sie könnte als Vorbild für die gesamte EU gelten. Aber ob das wirklich so kommt?

Thomas sagt, er fahre jetzt seit Dezember jeden Tag zwischen 10 und 16.30 Uhr ständig Kunden mit FSD in Berlin herum. Es gab noch nicht ein wirkliches Problem. FSD hat alles gemeistert, ob Baustellen, Einsatzkräfte, Umleitungen. Thomas sagt, FSD verstehe sogar, wenn ein anderer Autofahrer winkt und zum Losfahren auffordert. Einmal habe es ein Baustellenschild missinterpretiert und geparkt. Aber so etwas ist ja nicht wirklich eine Gefahr. Den grünen Pfeil aus DDR-Zeiten ignoriert er auch. Alle anderen grünen Pfeile aber akzeptiert er. Vermutlich wird es da noch eine Softwareanpassung geben.

Das Model 3 Tesla parkt wieder am Tesla Center ein: rückwärts und genau mittig. Wer jetzt schon einen Tesla besitzt, kann sich das System jetzt noch kaufen. Es kostet 7.500 Euro, funktioniert noch nicht richtig, wird es aber, wenn die Genehmigung für die EU da ist. Man könne die Software auch noch auf ein neues Fahrzeug übertragen, sagt Thomas. Ansonsten wird es bald wohl ein Abomodell geben. Für 100 Euro im Monat, wird vermutet.

Ich fahre mit dem Autopiloten nach Hause. Besser als gar nichts.

Wer Teslas FSD selbst enmal erleben möchte, hier ist das noch bis 31. März 2026 möglich. 

Text: Ulf Mallek




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