Weshalb steht so wenig über Nossen in der Zeitung? Auch auf den digitalen Kanälen der großen regionalen Newsseiten erfährt der Einwohner von Heynitz, Ilkendorf oder Mettelwitz kaum noch etwas von seinem Dorf. Mettelwitz ist übrigens ein Ortsteil und hat vielleicht 50 bis 60 Einwohner. "Über die großen Städte wie Dresden wird ausführlich berichtet, über den ländlichen Raum fast nichts mehr", sagen Landbewohner. Früher wäre das anders gewesen. Haben die Leute recht?
Womöglich ja. Die Regionalzeitungen vollziehen gerade einen Wechsel weg von der gedruckten Zeitung hin zum digitalen Produkt. Das soll die Journalisten befreien vom engen Korsett einer gedruckten Zeitungsstruktur und sie freier, kreativer machen. Allerdings werden es aus Gründen des Kostendrucks immer weniger Journalisten, die in den Lokalredaktionen arbeiten. Das vor allem ist der Grund für die spärlichen Meldungen aus dem ländlichen Raum. Hinzu kommt der wachsende Zeitdruck, der Journalisten dazu zwingt, effizienter zu arbeiten. Das ergebnisoffene und empathischen Gespräch mit den Menschen draußen vor der Redaktionstür findet immer seltener statt. Und natürlich gar nicht in Mettelwitz.
Doch jede Krise birgt auch eine Chance in sich. Plötzlich öffnet sich eine große Tür für interessierte Bürger, die anderen über das Leben in ihrem ländlichen Raum oder in ihrer Kleinstadt gern etwas erzählen möchten. Bürgerjournalismus ist dafür der Fachbegriff. Im Kern meint Bürgerjournalismus eine zugangsoffene, unabhängige und vielfältige Nachrichtenproduktion. Das geschieht durch zivilgesellschaftlich engagierte Bürger in Form von selbstständig recherchierten und verfassten Angeboten. Da nicht jeder, der sich dafür interessiert, sofort der geborene Redakteur ist, startete die Uni Leipzig in Kooperation mit dem Deutschen Journalistenverband Sachsen und gefördert durch die Volkswagen-Stiftung das Projekt "Bürger machen Journalismus". Mit den richtigen fachlichen Grundlagen als Basis kann dieses Projekt zu einer weiteren Demokratisierung des Journalismus in den Regionen beitragen. Die regionale Nachrichtenplattform diesachsen.de mit Meißen News hat sich bereit erklärt, Ergebnisse der Arbeit der Bürgerjournalisten aus dem Projekt zu veröffentlichen.
In Gruppen von je fünf Bürgerinnen und Bürger können Interessierte jetzt die Grundlagen journalistischer Arbeit erlernen – von der Themenfindung über die Recherche bis zum Schreiben eigener Artikel. Unterstützt werden sie dabei von erfahrenen Journalistinnen und Journalisten, die sie als Coaches bis zur Veröffentlichung begleiten. Jeder kann mitmachen, Vorerfahrungen sind nicht erforderlich. Der Start des Projektes in Radebeul, Meißen und Großenhain ist für März 2026 vorgesehen.
Text: Ulf Mallek
Anmeldung bis 28. Februar 2026 per E-Mail an: buergerjournalismus@uni-leipzig.de
Teilnahme
- Teilnehmen können alle Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in einem sächsischen Landkreis – unabhängig von vorhandenen Vorerfahrungen.
- Die Teilnahme erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Geplant sind zwei bis drei ganztägige Termine an Samstagen zur Einführung ins journalistische Handwerk, sowie gelegentliche kürzere (digitale) Treffen zur Abstimmung an Abenden unter der Woche, um sich zu den eigenen Beiträgen zu beraten. Die Teilnahme lässt sich gut mit Beruf und Familie vereinbaren.
- Die Teilnahme ist kostenfrei. Am Ende erhalten alle Teilnehmer eine kleine Aufwandsentschädigung.
- Zum Anmelden bitte E-Mail an: buergerjournalismus@uni-leipzig.de. Für Rückfragen stehen Gesprächspartner unter dieser Adresse ebenfalls gern zur Verfügung. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, wird eine frühzeitige Anmeldung empfohlen.