Es ist Montagmittag. Die ersten Besucher schlendern über den Meißner Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Die meisten Stände haben bereits geöffnet, aber es stehen noch keine Schlangen davor. Ein trüber Spätnovembertag. Nur manchmal blinzelt die Sonne durch die dunklen Wolken. Der leichte Schnee vom Morgen ist überall schon weggetaut.
Am Bratwurststand bestellt sich ein älterer Herr mit brandenburgischem Dialekt original Thüringer Rostbratwurst. "Senf oder Ketchup?", fragt der Verkäufer im Alter von vielleicht so Mitte 30. "Wir haben früher in der DDR Mostrich gesagt", sagt der Rentner. "Mostrich kommt aus dem Niederländischen", sagt der Verkäufer. "Kein Mensch redet heute so." "Wir damals aber", sagt der Rentner. "Vielleicht gab es ja regionale Unterschiede", versucht ein weiterer Kunde zu vermitteln. "Im Süden wurde mehr Senf gesprochen, im Nordern Mostrich?" "Nein, wir sagten ausschließlich Mostrich", sagt der erste Kunde. "Das ist Holländisch", sagt der Verkäufer. "Aber ist eigentlich wurscht. Ich habe das diese Zeit nicht erlebt. Dafür die wilden 90er Jahre."